“unbeugsam und unverkäuflich” – Bratwurstdealer ’205

15 Apr

Bratwurstdealer ’205, 12.04.2014, Heimspiel Auerbach:

“[...]

Anfang April und inzwischen ist die Saison 2013/2014 leider rein sportlich schon gelaufen, was im Normalfall Tristesse bedeuten könnte. Sicher ist das auch bei 95% der Clubs der Fall, aber ganz sicher nicht bei uns in Jena. Wir müssen die bittere Erkenntnis festhalten, dass der FC Carl Zeiss Jena im schleichenden Prozess wohl einen der größten Tiefpunkte seiner jüngeren Geschichte erreicht hat. Daran ändern auch die beiden zuletzt eingefahrenen Siege gegen schwache Gegner nichts. Es ist kaum in Worte zu fassen, was wir in den letzten Tagen und Wochen erleben mussten, gerade in Sachen Personalpolitik in der Oberaue. Dass es solche Probleme in Jena immer wieder gab und gibt, sich derartige Szenarien im Grunde seit der Wende wie ein roter Faden durch die Vereinsarbeit ziehen, ist keine Neuigkeit – eher blau-gelb-weißes business as usual. Um noch kurz bei den Geschehnissen der vergangenen Tage zu bleiben: wer kann es denn ernsthaft einem Trainer Zimmermann verübeln, der spätestens im Sommer hier weg sein will? Da erbst du eine nicht chancenlose Equipe zu einem noch lange nicht zu spätem Saison-Zeitpunkt, dir wird vom diktatorisch herrschenden Präsidenten sogar eine Menge Kohle in Aussicht gestellt, um gemeinsam in eine rosige Zukunft zu steuern. Klar, am besten den Aufstieg noch in dieser Saison realisieren, der 2-Jahres-Plan in der Regionalliga war noch aktuell. Alles scheint greifbar und vielversprechend, doch nach nur 2 schlechten Spielen gerät das Kartenhaus ordentlich in Schieflage. Derjenige, der dich an die Saale holte und vorgab, das Ruder ganz fest in der Hand zu halten, schmiss plötzlich hin. Sicher kann man nur mutmaßen, ob R. Zipfel genau so reagiert hätte, wenn die Spiele in Plauen und daheim gegen Nordhausen gewonnen worden wären, aber den Platz ganz nah an der Sonne hätte er bestimmt nicht so schnell freiwillig hergegeben. Zudem hinterließ dieser, neben personalpolitischer Unsicherheiten, ganz nebenbei auch eine Gemengelage, welche von einem zur Hälfte verkauften Club/Arbeitgeber, einem uneinigen Vereinsumfeld und von einer undurchschaubaren und auf Seilschaften beruhenden Entscheidungskultur geprägt ist. Jetzt ist die Kacke nämlich so richtig am Dampfen und hinter dem sich zurückziehenden Nebel offenbart sich, dass die Entscheidung im Dezember noch ganz andere negative Synergien für unseren Club bedeuten könnte. Alles in allem ist die Entscheidung vom Trainer also vollkommen nachvollziehbar, hier lieber die Koffer wieder zu packen und regelmäßig widerkehrenden Chaos-Tagen den Rücken zu kehren…

Die Mehrheit der Mitglieder des FCC ließ sich leider dazu hinreißen, zu glauben, dass ab der Rückrunde 13/14 plötzlich Kontinuität in die Vereinspolitik Einzug hält. Als hätten die belgischen Millionen die meisten Hirne in Präsidium, Aufsichtsrat und bei den Eminenzen in schattigeren Bereichen ebenso gewaschen, wie die unzähliger treuer und leidgeprüfter Mitglieder – nur eben bezüglich des Miteinanders im operativen Geschäft. Das ganze Gegenteil ist der Fall – die alten Muster ziehen noch immer. Versprechungen und Erwartungen hier – Ungeduld, Übermut, Misstrauen und fehlendes Vertrauen in die Infrastruktur und sich selbst da.

Bestes Beispiel brandaktuell: die Öffentlichkeit nimmt Anteil daran, wie der Aufsichtsrat offensichtlich eine Präsidentschaftskandidaten-Absage nach der anderen kassiert und am Ende eine Personalie vorstellt, welche so einfach zu bekommen war wie zerknautschte Adventskalender an Heiligabend. Lutz Lindemann, welchem wir in Jena eigentlich so schnell nicht wieder auf einem wichtigen Posten sehen wollten, darf jetzt das Ruder führen und die auf Lügen basierenden Erwartungen enttäuschen. Und wer glaubt, dass wir unter diesen Umständen dann zwangsläufig nächste Saison angreifen und den Aufstieg realisieren, dem ist fast nicht mehr zu helfen.

Aber vielleicht taugt die Zeit zum individuellen Hinterfragen in den Reihen der Mitglieder, ehe man sich der Abstumpfung hingibt und sich beim leider realistischen Misserfolg, getrieben von Enttäuschung, gänzlich vom Fussballclub entfernt. Helfen kann da nur, sich gar nicht zu viele Hoffnungen zu machen, sondern rationale und mit geschärftem Blick dahin zu schauen, wo es auch ohne Identitätsverlust mit erfolgreichem Fussball klappt und Vorbildwirkungen entstehen können. Wir helfen dabei, wenn wir in einer der kommenden Ausgaben beispielsweise nach Berlin-Köpenick, ins Lößnitz-Tal, nach Halle und/oder Chemnitz schauen.

Nun soll es uns aber vordergründig um die objektive Bewertung des gesamten finanziellen und wirtschaftlichen Konzeptes gehen, welches fortan die Geschicke unseren Clubs bestimmen soll.

Fangen wir wie immer chronologisch an. 2 Millionen EUR ist die bis dato am meisten kommunizierte Summe im gesamten Kontext. Diesen Betrag ließ sich Roland Duchatelet die Einverleibung von 49% der Stimmanteile der FC Carl Zeiss Jena Spielbetriebs-GmbH kosten. Soweit so gut. Diese Summe ist frei ausgehandelt worden und floss unserem Club zu. Unabhängig davon, dass ein Investoreneinstieg unbedingt verhindert gehört, egal zu welchem Einstiegspreis, ist diese Summe natürlich ein lachhafter Betrag. Sicher, der FCC hatte außer großen Erfolgen und noch größeren Ahnentafeln nichts vorzuweisen und wenig Argumente für einen höheren „Preis“, aber leichter hätte man es einem Fremden nicht machen können, sich hier breit zu machen. Orientiert an den Plänen, ein europäisches Netzwerk nachwuchsbewusster Fussballclubs aufzubauen, ist der FCC geradezu ein Glücksfall für die belgische Geldbörse. Auf Grund der finanziellen Situation der Spielbetriebs-GmbH sind einige hunderttausend Euro (eine exakte Benennung dieser Posten ist die Geschäftsstelle bis heute schuldig geblieben) direkt dazu verwendet worden, bestehende Verbindlichkeiten zu löschen und sich damit wohl komplett zu entschulden. Klingt erstmal vernünftig, entscheidend ist jedoch die Konsequenz, welche nur oberflächlich von Nachhaltigkeit geprägt ist.

Wir alle sollten wissen, dass wir auch mit 2 Millionen Euro keine Aufstiege an die Saale zaubern. Es gibt unzählige Beispiele, welche belegen, dass vergleichbare Summen so gut wie nix bewegen. Dass schon große Teile in Schuldentilgung geflossen sind, verstärkt diese sicherer Annahme. Projekte, welche mit wesentlich mehr Geld auf vergleichbarem sportlichem Niveau begannen, belegen ebenfalls, dass der Gegenwert der 49% Stimmrechte kaum Wirkung entfalten wird. Dazu kommt, dass der FCC mit seiner gesamten Infrastruktur und den damit einhergehenden Bilanzpositionen ohnehin wesentlich mehr fixe Kosten zu tragen hat, als die meisten Konkurrenten. Einen Wettbewerbsvorteil bringt der bloße Anteilsverkauf also nicht mit sich. Ganz im Gegenteil wird gerade aktuell deutlich, dass falsche Hoffnungen geschürt werden und fast schon zu viel (letztlich hemmender) Druck aufgebaut wird, wenn nicht die ganze Wahrheit veröffentlicht ist (z.B. Verwendung der Kaufsumme zur Schuldentilgung). Dies wird in den deutlich übertriebenen Erwartungen im Vereinsumfeld zu Rückrundenbeginn ebenso deutlich wie in der Angst vor dem Wespennest unter dem Präsidentenstuhl. Dass nun mit Lutz Lindemann eine sich eigentlich grundsätzlich selbst verneinende Konstellation (hauptamtlicher Sportlicher Leiter der GmbH, gleichzeitig ehrenamtlicher Präsident des e.V. und somit auch „Chef“ seiner eigenen GmbH-Geschäftsführer, also seiner Arbeitgeber) aufgebaut wurde, zeigt klar, dass der Aufsichtsrat recht verzweifelt gesucht hat.

Natürlich war nicht nur Rainer Zipfel klar, dass die 2 Millionen Euro mehr oder weniger nur ein Türöffner für Roland Duchatelet sind, um dem FCC damit weitere Geldsummen in Aussicht zu stellen. Für eine tatsächliche Konkurrenzfähigkeit im Aufstiegsrennen zur 2. Bundesliga muss logischerweise deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden oder vorhanden sein, möchte man nicht auf ein glückliches Selbstläufer-Szenario, wie unter Trainer Weber im letzten Jahrzehnt erlebt, setzen. Das Vertragswerk umfasst deshalb nämlich die Möglichkeit, in Jahresschritten jeweils eine Million Euro zu erhalten, welche dann als Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Ein Vorteil aus Darlehens-Nutzung ist im Vergleich zu einem klassischen Sponsoring zwar nicht steuerpflichtig, steht jedoch in keinem Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Das Ergebnis einer realistischen Betrachtung, welche selbstverständlich auch von Wirtschafts- bzw. Sportmanagementexperten ohne weiteres bestätigt wird, ist, dass der „angefixte“ FC Carl Zeiss nahezu verpflichtet ist, das verlockend klingende Darlehensangebot des eigenen Anteilhabers anzunehmen und damit neue Schulden aufzunehmen. Denn klar ist ohne Zweifel, dass sich der Investor nicht damit zufrieden gibt, einen jahrelangen Kampf in der 3. Bundesliga oder Regionalliga zu veranstalten. Darlehensgeber ist im Übrigen ebenfalls die Staprix (inkludiert ist noch ein anderes Duchatelet-Unternehmen namens „Elex“, welches als Garantiegeber fungiert). Nun klingt „Darlehen zu 2% Zinsen auf 10 Jahre“ nicht schlecht, aber nicht nur umgangssprachlich brauch man einem „nackschen“ Verein nicht in die Taschen zu gucken. Hinsichtlich vielerlei Punkte ist der Vertrag eine Einbahnstraße und Todesurteil der Spielbetriebs-GmbH…

Das Normalste der Welt ist also, dass die Spielbetriebs-GmbH das Darlehen früher oder später abruft. Sollten wir in der kommenden Saison eine sportlich ähnlich wechselhafte Hinrunde durchmachen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits im Winter investiert wird, um 14/15 den Aufstieg nicht nochmals zu verpassen und damit dem Plan einen doch herben Dämpfer zu verpassen. Was auf den ersten Blick als perfekte Möglichkeit erscheint, schnell an frisches Geld für Investitionen in Fussballerbeine zu kommen, bekommt beim Blick in die Details der Vereinbarung einen ungenießbaren Beigeschmack. Gemeint sind die Verteilung der Geschäftsanteile innerhalb der GmbH und der unterschriebene Gesellschaftervertrag. Wir haben in dieser Rubrik bereits darauf hingewiesen, dass erst kurz vor Ende der MV im Dezember durch ein findiges Mitglied am Mikrophon nachgefragt wurde, ob die belgische Einlage eine fast komplette Verlagerung der Geschäftsanteile auf die Seite der Staprix/Duchatelet bedeutet. Ein deutlich ins Rudern geratener Präsident Zipfel tat sich daraufhin zwar schwer und bemühte diverse unübersichtliche Folien, musste letztlich jedoch bestätigen und somit einen gern verschleierten Umstand doch noch preisgeben. Zum Glück für ihn und seine Idee, waren zu diesem Zeitpunkt die Empfänger im Publikum schon wieder eingefahren, kein Wunder ob der langatmigen Werbeveranstaltung.

Es lohnt hier ein Blick in die Details. Das sogenannte „GmbH-Gesetz“ (GmbHG) gibt die verbindlichen Gesetzmäßigkeiten (Errichtung, Organe, Stellung im Rechtsverkehr u.a.) für die Rechtsform unserer ausgegliederten Profi-Abteilung vor. Für die Bewertung der nun eingetretenen Situation ist in erster Linie der §29 wichtig, welcher die „Ergebnisverwendung“ („Ergebnis“ = Jahresüberschuß/Gewinn) näher beschreibt. Grundsätzlich haben die Gesellschafter natürlich Anspruch auf den Jahresüberschuß, insofern die Gesellschaft einen solchen erwirtschaftet. In Absatz 3 dieses Paragraphen ist folgendes geregelt: „Die Verteilung erfolgt nach Verhältnis der Geschäftsanteile. Im Gesellschaftervertrag kann ein anderer Maßstab der Verteilung festgesetzt werden.“.

Das bedeutet, dass grundsätzlich die Geschäftsanteile, in unserem Fall im Verhältnis 95% Staprix zu 5% e.V., die Gewinnverteilung vorgeben. Es sei denn, der Gesellschaftervertrag zwischen Beiden trifft eine andere, x-beliebig zu vereinbarende, Regelung. Dies ist ausdrücklich nicht passiert, der Vertrag enthält keinerlei andere Bestimmungen. Das ist ein entscheidender Punkt, da hier durchaus hätte ausgehandelt und niedergeschrieben werden können, dass mögliche Gewinne gleichmäßiger verteilt werden.

GmbH-Gesetz_29

Warum ist das so wichtig? Bekanntlich liegt in der Natur des Darlehens, dass die geliehene Summe plus Zinsen an den Darlehensgeber zurückgezahlt werden muss. Früher oder später. Die Frage, die dann bzw. schon jetzt im Raum steht (je nach Empfänglichkeit für die Wahrheit), ist, wo das liebe Geld herkommen soll, um den Verpflichtungen nachzukommen und die Verträge zu erfüllen? Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der deutschen Fussballvereine kaum in der Lage ist, neben der Sicherstellung von Wettbewerbsfähigkeit durch immer wieder nötig werdende neue Investitionen, großartige Gewinne (z.B. aus Fernsehgeldern oder dergleichen) zu erwirtschaften, die ohne weiteres auf die Seite gelegt werden können. Dies ist erst recht nicht mit den ambitionierten Plänen des FCC zu vereinbaren, nämlich sich möglichst zeitnah in der zweithöchsten deutschen Spielklasse wiederzufinden und auch zu etablieren. Die Gegner schlafen nachweislich auch nicht, der Druck ist riesengroß, jeder Cent muss zwangsläufig wieder in den Kader gesteckt werden, um im Erfolgsfall auch wirklich längerfristig eine Rolle spielen zu können. Auf großartige Transfererlöse zu hoffen ist nicht angebracht, zumal ein Netzwerkverein mit übermächtigen Netzwerkpartnern kaum auf großartige Gewinne in diesem Bereich hoffen kann. Weiterhin können Fussballvereine heute theoretisch zwar ordentliche Summen im Bereich der Zuschauereinnahmen und des Merchandisings generieren. Auf beiden Baustellen sind uns jedoch deutliche Grenzen gesetzt, da auch in der 2. Bundesliga inklusive neuem und modernem Stadion kein Zuschauerschnitt jenseits der 15.000 realistisch ist. Auch die steigenden Betriebskosten, Mieten und anderen Fixkosten in einem neuen Stadion dürfen in dieser Betrachtung nicht vernachlässigt werden.

Im Bereich des Merchandising/Fanartikel fährt der Club seit Jahren die Variante, die Rechte an der Vermarktung von Logo, Vereinsnamen und Symbolik an das Unternehmen Intersport-Meier zu verscherbeln. Im Gegenzug gibt es wohl einen schmalen 5-stelligen Betrag, der zwar eine sichere Haushalts-Einnahme verspricht, die eigenen Möglichkeiten dahingehend (auch finanziell) jedoch vollkommen verkennt und die Außendarstellung des FCC zudem vollkommen unterbewertet verkauft. Dass letztendlich auch nur bedingt ansehnliche Fanartikel angeboten werden, ist ein weiterer negativer Nebeneffekt.

Also sind auch in diesem Bereich keine großartigen Einnahmen zu erwarten, zumindest nicht solche, welche ansatzweise an die Tilgung und Zinszahlung des Darlehens glauben lassen. Dazu kommt, dass Niemand garantieren kann, dass überhaupt der erforderliche sportliche Erfolg (hier: Konkurrenzfähigkeit in der 2. Bundesliga) zu erreichen ist, welcher uns überhaupt erstmal ansatzweise in die Nähe der Möglichkeit bringt, am Ende des Jahres mehr Geld verdient als ausgegeben zu haben. Summasummarum ist Fakt, dass die Konstellation innerhalb der GmbH keine wirtschaftliche Grundlage für nachhaltigen sportlichen Erfolg begründet. Für diese Erkenntnis muss man keine Hochschule besucht haben…

Nüchtern betrachtet ist also vollkommen egal, ob der sogenannte Plan aufgeht, wir also Erfolg haben oder nicht: es gibt keine reale Chance, den sehr wahrscheinlichen Darlehensverpflichtungen nachzukommen. An dieser Stelle darauf zu vertrauen, dass Duchatelet irgendwann von seinen Ansprüchen zurücktritt und das Fremdkapital des Darlehens somit in Eigenkapital (frei von Verbindlichkeiten/Schulden) umgewandelt  wird, ist mehr als blauäugig und naiv – vor allen Dingen angesichts des fehlenden Bezuges zu unserem Club. Dass er dann trotzdem noch im Boot sitzt und das Abhängigkeitsverhältnis weiter aufrechterhalten wird, steht ebenso außer Frage. Deutlich formuliert, ist der Einstieg des Investors der Beginn einer über Jahre andauernden massiven Verschuldung unseres nun leider mittellosen Vereins, für welche wir allerspätestens in 10 Jahren die Rechnung vorgelegt bekommen. Sollten überhaupt Gewinne erwirtschaftet werden können, gibt es nur einen minimalen Zugriff darauf. Stattdessen wird daraus ein Umstand entstehen, welcher zur Mitgliederversammlung im Dezember bestritten wurde: eine vollkommene Abhängigkeit vom Goodwill des Herrn Duchatelet. Er kann dann alle seine Entscheidungen (auch wenn sie noch so unpopulär sind; ein Blick nach Lüttich und Charlton genügt) ohne weiteres durchsetzen, hängt unser geliebter FC Carl Zeiss nicht erst dann vollkommen an seinem Tropf.

Hier lohnt leider auch ein Querverweis auf die Ignorierung des FCC-Leitbildes, worauf übrigens auch auf der Mitgliederversammlung detailliert hingewiesen werden sollte. Exemplarisch sind in diesem Kontext die Punkte 1, 2 und 6 herauszustreichen:

1.) Der FC Carl Zeiss Jena definiert sich als erfolgsorientierter Fußballverein. Er strebt stetig nach sportlicher Höchstleistung und wirtschaftlicher Stabilität.

2.) Der FCC bewahrt seine Traditionen und geht neue Wege. Er lernt aus den Erfahrungen der Vergangenheit und nutzt für seine sportliche und wirtschaftliche Tätigkeit die wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen der Region.

[…]

6.) Der FCC sucht zu jeder Zeit den konstruktiven Dialog sowie die kritische Selbstreflexion im Sinne seines Leitbildes.

Die missachteten Kernpunkte „wirtschaftliche Stabilität“ (1), „…lernt aus den Erfahrungen der Vergangenheit“ (2) und „…sucht…die kritische Selbstreflexion im Sinne seines Leitbildes“ (6) sprechen eine deutliche Sprache. Ein Schuldenaufbau, zudem ohne realistische Tilgungs-Chance, hat nicht ansatzweise etwas mit wirtschaftlicher Stabilität zu tun. Viel mehr muss dazu auch nicht geschrieben werden, zu eindeutig ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dem Punkt 2 wurde ebenso wenig Aufmerksamkeit geschenkt, schließlich scheinen aus den blauen Augen, welche der FCC nicht nur aus dem Kölmel-Deal davon trug, wenig Erfahrungswerte hervorgegangen zu sein. Alles in allem ist also von einer kritischen Selbstreflexion im Sinne des Leitbildes kein Fünkchen zu spüren gewesen. Nicht in der Anbahnung des Vertrages, nicht in dessen Ausgestaltung und ebenso wenig in der alles entscheidenden Mitgliederversammlung. Auch wenn uns – die sehr fleißig am Leitbild mitgearbeitet haben – diese Aussagen schwer fallen, aber das Leitbild ist aktuell ein zahnloser Tiger, nichts mehr Wert. Man hätte es beinahe erahnen können, machte doch Präsident Zipfel zu keiner Zeit einen Hehl daraus, dass ihm das Leitbild ein Dorn im Auge ist.

Das Schreckens-Szenario „…morgen gehen die Lichter aus!“, welches zur MV als mehr als zweifelhaftes Todschlag-Argument instrumentalisiert wurde, ist also in 8-10 Jahren tatsächlich Realität. Aber nicht etwa so, wie befürchtet, sondern so, wie scheinbar gewünscht. Nicht nur Rainer Zipfel wies in seinen Ausführungen mehrmals darauf hin, dass der Club im Grunde klinisch tot sei, das Überleben einzig und allein durch den Anteilsverkauf realisierbar wäre. Nun ist der Verkauf vonstatten gegangen und das Ende der Spielbetriebs-GmbH noch viel greifbarer als jemals zuvor. Im Sinne der Erhaltung des FC Carl Zeiss kann dann unter Umständen nur die Insolvenz der GmbH helfen, damit verbunden ein Neuanfang mit e.V.-Spielrecht in Liga 4 oder 5. Anscheinend scheint nur Wenige zu interessieren, dass die Zukunft des FCC damit alles andere als nachhaltig gestaltet ist. Die nächste Generation wird also wieder von vorn anfangen müssen, falls wir nicht zeitnah die Kurve kriegen. Es heißt also, die Konsequenzen dieses Verkaufes schnell gemeinschaftlich zu realisieren und als FCC-Mitglieder, gemeinsam mit den Verantwortlichen, eine Wende in der Vereinspolitik zu organisieren.

Zum Abschluss lohnt ein kurzer Exkurs auf die Einstellung der Duchatelet-Kritiker bzgl. des sportlichen Erfolges. Nicht selten wird u.a. uns vorgeworfen, die sportliche Bedeutungslosigkeit zu bevorzugen. Diese Kritik weisen wir deutlich von uns, schließlich sehnen auch wir uns nach größeren Gegnern und einem erfolgreicheren Fussball im Ernst-Abbe-Sportfeld. Die Ablehnung eines fremdgesteuerten und in einem derartigen Abhängigkeitsverhältnis stehenden Fussballvereins bedeutet nicht automatisch die Abkehr von sportlichen Ambitionen und fan-typischen Hoffnungen.

Dennoch müssen vor allem die Rahmenbedingungen und Umstände dafür stimmen, muss sichergestellt sein, dass das Risiko überschaubar ist, Tugenden wie Geduld, Authentizität und Selbstverantwortung die Zukunft des Vereins bestimmen, den wir alle lieben. Wir sind – und darauf werden wir in dieser Reihe noch ausführlich eingehen – davon überzeugt, dass der FC Carl Zeiss sehr wohl Schritt für Schritt wieder in der dritten oder gar zweiten Bundesliga Fuß fassen kann. Sowohl die Infrastruktur (u.a. mit dem Nachwuchsleistungszentrum), als auch die wirtschaftliche Kraft unserer Stadt, sowie viele weitere kleinere und größere Faktoren, erlauben es, dieses Ziel entschlossen und mit realistischen Erwartungen anzupacken. Genau wie eigenverantwortliche vereinspolitische Entscheidungen den Weg in die Viertklassigkeit geebnet haben, sind diese auch dazu nützlich (insofern richtige Konzepte dahinterstehen), den Weg zurück zu gehen.

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH!

FÜR IMMER FUSSBALLCLUB CARL ZEISS!

[...]”

Klassiker in Zwickau am Ostersonntag

14 Apr

Zwickau_0414

Niederlage gegen Auerbach

13 Apr

Unter Beobachtung des Belgischen Inventors verlor die Mannschaft das Heimspiel gegen den VfB Auerbach mit 0:1.

DUCHATELET CASSE-TOI!  

Auswärtssieg gegen LOK

6 Apr

Im alten Bruno-Plache-Stadion gewann unsere Zeiss-Elf mit 0:4 gegen den 1.FC Lok Leipzig. 

“unbeugsam und unverkäuflich” – Bratwurstdealer ’204

1 Apr

Bratwurstdealer ’204, 30.03.2014, Heimspiel Babelsberg:

“[...]

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH, Teil 3

Möglichst unabhängig von der nur schwer verdaulichen sportlichen Krise wollen wir in unserer Argumentation fortfahren, welche sich heute um die Umstände während der Anbahnung des Einstiegs des belgischen Multimillionärs Roland Duchatelet in die Spielbetriebs-GmbH unseres FC Carl Zeiss dreht. In Ausgabe 203 haben wir vor zwei Wochen die bisherigen Aktivitäten von R.D. unter die Lupe genommen und u.a. sein expandierendes (Fussball-)Netzwerk genauer beleuchtet.

Heute wollen wir uns ein wenig weiter auf dem Pfad des „Warum?“ bewegen und auf die Spur der Gründe für den unsäglichen Einstieg kommen, welcher den FC Carl Zeiss und seine Anhänger in den kommenden Monaten oder unter Umständen auch Jahren arg beschäftigen wird. Ebenso soll uns ausführlich beschäftigen, wie die Mitgliederversammlung im Dezember vonstatten ging. Eine vorgesehene konkrete Betrachtung der finanziellen bzw. wirtschaftlichen Details des Anteilsverkaufs und damit einhergehende Szenarien ist kurz vor Redaktionsschluss von uns wieder herausgenommen und in Ausgabe 205 verschoben worden. Um a) die Beitragslänge (und damit auch die Konzentration des Lesers) nicht überzustrapazieren und b) der an sich recht pikanten Thematik nicht zwischen anderen Argumentationsfelder zu wenig Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen.

Zu Beginn wollen wir auf den 15. Dezember zurückblicken, die entscheidende Mitgliederversammlung. Gleich eingangs soll klar gestellt sein, dass all‘ jene, welche entweder aktiv gegen den Investor gestimmt haben oder aber passiv und ohne Stimmrecht den Investor ablehnen, die Entscheidung der Mitgliederversammlung als demokratisches Ergebnis akzeptieren. Der aus der Konsequenz resultierende Protest ist demnach keine Form bockigen Verhaltens oder gar Missbilligung der Mitgliederentscheidung. Ebenso liegt es uns fern, in eine Opfer-Rolle zu schlüpfen, was schon allein unserer optimistischen und kämpferischen Attitüde widerspricht.

Nun, die Mitgliederversammlung. Der Dritte Advent, ein theoretisch gelassener Sonntag in der Vorweihnachtszeit. Das turnusmäßige Zusammentreffen des höchsten Vereinsorgans war eigentlich für das vorhergehende Wochenende angesetzt. Es reifte aber in den Vorwochen im Präsidium der Gedanke, den im stillen Kämmerlein schon vorangetriebenen Vertragsschluss mit Duchatelets „Staprix“ noch im alten Jahr auf der ohnehin angesetzten MV von den Mitgliedern durchwinken zu lassen. So wurden die Mitglieder ganze 8 Tage vor dem eigentlichen Termin relativ stümperhaft über eine Verlegung um eine Woche informiert. Zum Teil mit der Post, im Gros jedoch via Info auf der Homepage.

Die Kurzfristigkeit passte dazumal zur fehlenden Transparenz. Als die Terminverlegung dann Gesetz wurde, war nach Aussage des nun scheidenden Rainer Zipfel bereits alles unterschriftsreif.

Fürwahr ist es nachvollziehbar, dass zur Anbahnung von derlei weitreichenden Verhandlungen eine zu große öffentliche Aufmerksamkeit nicht gerade produktiv ist und nicht nur die Medien gerne für (unnötige) Unruhe sorgen um die Quote oder Auflage zu sichern. Allerdings reden wir in unserem Fall nicht von rein privatwirtschaftlichen Fusionen oder Übernahmen, sondern vom – wenn man so will – wirtschaftlichen Zweig unseres Fussballvereins. In den ausstehenden zwei Wochen sickerten dann mal mehr, mal weniger glaubhafte Gerüchte durch. Am 05.12. machte dann ein Pressegespräch in der Geschäftsstelle dem Rätselraten ein Ende. Im Rahmen dessen wurde Chris Förster als zukünftiger zweiter Geschäftsführer präsentiert und erste Details zum Investoren-Deal preisgegeben.

Uns wurden zeitgleich einige Fälle bekannt, welche durchaus Ungläubigkeit hervorriefen. So wurden FCC-Fans sämtlicher Altersstufen u.a. im Ticketcenter abgewiesen, als diese dort einen Mitgliedschaftsantrag ausfüllen wollten, um vor der MV noch ein offizielles Mitspracherecht zu erhalten. Natürlich wäre diese Kritik weniger angebracht, wenn es sich dabei ausschließlich um junge Zeisser gehandelt hätte, welche damit möglichen Aufrufen zur kurzfristigen Mitgliedschaft gefolgt wären. Nein, es wurde kategorisch abgelehnt und somit auch verdiente und langjährige Zeiss-Fans darauf verwiesen, sich ab Januar wieder melden zu können. Im Januar, wenn die Pommes vernascht ist.

Dass dies nicht zu einem Verein passt, welcher vor nicht allzu langer Zeit aus verschiedenen Gründen eine große Mitgliederoffensive gefahren ist, muss sicher nicht genauer erläutert werden. Angesichts dessen, dass in den Augen der Entscheidenden vermeintlich mehr Gegen- als Fürstimmen kurzfristig die Mitgliedschaft erlangt hätten, schien der Zweck die gewählten Mittel wohl zu heiligen. An dieser Stelle soll nicht etwa beklagt werden, dass bis dato nicht als Vereinsmitglieder geführte Anhänger kein Stimmrecht bekommen haben, sondern dass Diesen der Zugang zum Mitgliederstatus vor der MV verwehrt wurde. Nun kann im Gegenzug freilich ins Feld geführt werden, dass sich nicht beschwert werden darf, wenn man die Monate zuvor auch kein beitragszahlendes Mitglied war. Aber: eine Mitgliedschaft macht per se keinen „besseren“ oder „wichtigeren“ Anhänger aus Dir. Nicht wenige Zeisser verzichten beispielsweise auf eine Mitgliedschaft im Club, um mit arg klammen Haushaltskasse lieber 2-3 Auswärtsspiele im Monat bestreiten zu können um dort für den Verein gerade zu stehen…

An besagtem Sonntag fanden sich so viele Mitglieder wie selten zuvor in der Zeiss-Mensa an der Tatzendpromenade ein. Ausnahmslos alle Anwesenden werteten dies als verständliche Reaktion der FCC-Mitglieder, bei der anstehenden Entscheidung ein Wörtchen mitreden oder eben ein Kreuzchen mitsetzen zu können. Nachdem die Standard-Tagesordnungspunkte mit Rechenschaftsberichten und anderweitigen Rückblicken abgehakt werden konnten, ging es zum zentralen Tagesordnungspunkt über – die Thematisierung des „Angebotes“ samt anschließender Abstimmung. Es folgte ein sehr ausführlicher und langatmiger Vortrag von Rainer Zipfel über das Zustandekommen des Kontaktes und eine gebetsmühlenartige Erläuterung der wirtschaftlichen Eckpunkte. Allerdings ließ er ganz bewusst ein sehr zentrales Puzzle-Stück aus, was auch die nach ihm animierten Redner nicht zu ergänzen verstanden. Denn er vergaß, dem gemeinen FCC-Mitglied den Aufbau der Geschäftsanteile der GmbH zu erläutern. Dieser besagt nämlich, dass 95% der Kapitaleinlage Monsieur Duchatelet bzw. seiner „Staprix“ gutgeschrieben ist, lediglich 5% vom eingetragenen Verein gehalten werden…

Dies soll uns dann in Ausgabe 205 profund beschäftigen (kurzfristig herausgenommen).

Herrn Chris Förster, welcher erst einmal unter Beweis stellte, dass er doch tatsächlich schon längere Zeit FCC-Mitglied ist, wurde dann die Aufgabe zuteil, den Mensch Roland Duchatelet dem langsam müde werdenden FCC-Volk vorzustellen. Hängen geblieben sind hier Umschreibungen á la „Citroen statt Maybach“ und „Vertrauen statt Kontrolle“ (an dieser Stelle sei auf die Umstände um die Entlassung langjähriger Vereinsmitarbeiter in Lüttich hingewiesen; siehe BD203). Auch etliche recht angesehene Jenaer Gesichter wie Ex-Bürgermeister Röhlinger oder Analytik-Boss Berka bekannten sich zu einem Investoreneinstieg und der Gutherzigkeit vom belgischen Heiligen. Natürlich durfte auch der selbsternannte sibirische Netzwerkspezialist und wohl peinlichste und unproduktivste Aufsichtsrats-Chef den wir je hatten seine Kampfansage pro Investor durch die Mensa krächzen. Eine Runde Sache, möchte man meinen.

Natürlich blieben die Argumente von Rainer Zipfel am stärksten hängen, schließlich verstand er es wie kein Zweiter an diesem Sonntag, die große Runde in seinen Bann zu ziehen. Dabei benutzte er beinahe propagandistische Mittel, um das Szenario „was passiert, wenn wir heute ablehnen!?“ aufzubauen.

Und an dieser Stelle schieden sich die Geister extrem. Rainer Zipfel behauptete in seiner ganz eigenen Art und Weise, dass der Einstieg eines externen Investors in der aktuellen Situation absolut „alternativlos“ wäre. Eine, nüchtern betrachtet, bewusste und maßlose Übertreibung, welche die finanziellen, organisatorischen und auch menschlichen Management-Fehler der vergangenen Jahre (die er zugegebenermaßen sicher nicht zum überwiegenden Teil selbst zu verantworten hat) vollkommen unter den Tisch fallen lässt.

Nicht umsonst ist „alternativlos“ von einer Fachjury, bestehend aus Sprachwissenschaftlern, zum „Unwort des Jahres 2010“ gewählt worden. Im Übrigen erklärte der Sprecher der Jury damals die Wahl auf folgende, auch auf unsere aktuelle Situation ganz zutreffende Weise: “Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.”

Alternativlos sei der Einstieg deswegen, weil sonst, so Zipfel am 15. Dezember wortwörtlich „[…]hier die Lichter ein für alle Mal ausgehen!“. Das diese Worte natürlich die Alarmglocken in den Köpfen der Anwesenden läuten ließen, ist nur zu verständlich, zumal vom Alleinherrscher im Club mit deutlicher Sprach- und Wortwahl kommuniziert. Was Rainer Zipfel unter „Licht aus!“ nun genau verstand, blieb er allerdings schuldig. Meinte er einen klassischen wirtschaftlichen Zusammenbruch, gleichbedeutend etwa mit Insolvenz der GmbH, oder aber einen kompletten Knock-Out des Gesamtvereins? Oder aber meinte er lediglich weitere Jahre in der Regionalliga, die unserem maximal viertklassig organisierten und inzwischen sowohl lokal als auch regional in breiten Schichten belächelten Verein nicht würdig wären?

Was sollte explizit dazu führen, was machte ihn so sicher? An diesem Punkt kommen wir zwangsläufig auf die offensichtlich unterschiedliche Einschätzung des Vor-Einstieg-Zustandes, der jüngeren Vergangenheit und der tatsächlichen Möglichkeiten eines gut aufgestellten und organisierten Fussballclubs dieser Größe, Bedeutung und Tradition in unserer Heimatstadt zurück. Dieses Thema bildete nicht zufällig auch eines der Kernpunkte der angestrebten Argumentation unsererseits zur MV. Es blieb jedenfalls in unseren Augen ein mehr als fader Beigeschmack, als Rainer Zipfel am 15.12. zum zweiten Mal das Rednerpult verließ.

Denn – und hiermit sind wir an einem Kernpunkt unserer Argumentation angelangt – der Weg des geringsten Widerstandes (z.B. Geldspritze von außen ohne größere akquisitorische Anstrengungen) ist in diesem Fall nicht der Beste für unseren geliebten Fussballclub. Viel sinnvoller und vor allem NACHHALTIGER wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine Besinnung auf das noch junge Leitbild des FC Carl Zeiss. Dieses besagt unter anderem: „Der FCC […] lernst aus den Erfahrungen der Vergangenheit und nutzt für seine sportliche und wirtschaftliche Tätigkeit die wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen der Region.“!

Wo in den neuen Bundesländern, wenn nicht in Jena, kann es einem gut organisierten und ohne in Gesichter-Politik verstrickten Fussballclub gelingen, mit den Mitteln der Region die 2. Bundesliga anzupeilen!?

Um alle Argumente für einen selbstbestimmten Fussballclub auch wirklich zielgerichtet nutzen zu können, muss in den nächsten Monaten ein fundierter „Plan B“ entstehen, der die eben aufgeführten Punkte als Kern beinhaltet. Dieser Aufgabe stellen wir uns gern, laden alle interessierten Zeisser dazu ein bzw. sind selbstverständlich bereit, mit ausnahmslos allen Beteiligten die Möglichkeiten einer Rückgewinnung der Selbstbestimmung zu besprechen. Auch darauf werden wir in Zukunft hier im BD zu sprechen kommen.

Die Ausführungen von Zipfel und Förster zogen sich über 2 Stunden hin, im Saal herrschte eine soweit ruhige Atmosphäre, durchtränkt von der Angst auf weitere Jahre in vermeintlicher Bedeutungslosigkeit und hoffnungsvoller Erwartung angesichts der bald anstehenden Abstimmung. Während Zipfel und Förster sprachen, überwog eine faire Atmosphäre, keine Zwischenrufe oder dergleichen. Auch diejenigen Mitglieder, welche etliche Argumente anders bewerteten, verhielten sich fair und demokratisch, hörten sich alle Aussagen und skizzierten Szenarien ruhig und konzentriert an.

Im Anschluss durften sich zuvor bei der Versammlungsleitung registrierte Mitglieder zu Wort melden und ihre Sicht der Dinge schildern. Da es sich beim Tagesordnungspunkt ganz klar nicht um den Standard-TOP „Aussprache“ handelte, welcher grundsätzlich nur eine beschränkte Redezeit für jedes Mitglied einräumt, wurde eine möglicherweise angedachte Redezeitgrenze bei der Versammlungsleitung im Vorfeld erfragt. Entschieden und gelassen wurde eine Redezeitbeschränkung für Wortmeldungen innerhalb des „Investor“-TOP ausgeschlossen. Dies nahm ein FCC-Mitglied zum Anlass, eine ausgiebig vorbereitete Argumentation auch bedenkenlos und uneingeschränkt vortragen zu wollen. Leider kam letztlich alles anders, denn es folgten sehr unruhige Minuten. Viele Anwesende, auch mit Pro-Bekenntnis zum Anteilsverkauf, sprachen im Nachgang von Peinlichkeit und Respektlosigkeit auf Seiten einiger anwesender Mitglieder. Große Teile der MV schämten sich fremd. Denn Einige brachten es tatsächlich fertig, nach einer zweistündigen und obendrein löchrig und teilweise unehrlichen Pro-Argumentation, nur wenige Momente zuzuhören, ehe sie unqualifizierte, peinliche und infame Zwischenrufe und persönliche Beleidigungen durch den Saal riefen. Dies führte zu einer sehr unproduktiven und lauten Atmosphäre, an Konzentration und zielstrebige Argumentation war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Obendrein verließ Rainer Zipfel hastig und aufgeregt seinen Platz auf dem Plenum und schritt durch die Reihen, ließ somit die Nervosität im Saal noch weiter ansteigen. Als wäre es nicht schon genug, griff Rainer Zipfel ebenfalls zum Mittel der Zwischenrufe in einen laufenden Vortrag. Leider bekannte sich nun weder die Versammlungsleitung noch die komplett anwesende Vereinsführung zur Absprache, dass es in diesem Tagesordnungspunkt keine Redezeitbeschränkung zu geben hat. Stattdessen wurde genau eine Solche kurzfristig ins Feld geführt, um damit zum Leidwesen Vieler, ein schnelles Zusammenstreichen der Themenpunkte der Contra-Argumentation nötig zu machen. Diesbezüglich muss nichts beschönigt werden, die demokratische Auseinandersetzung mit dem Verkaufs-Angebot war vollkommen ad-absurdum geführt und von oberster Stelle folgte keine Deeskalation, eher das Gegenteil war der Fall. Aus geplanten 25-30 Minuten Vortragszeit (im Vergleich zur Pro-Argumentation noch immer mehr als deutlich weniger) wurden letztlich vielleicht 5 Minuten, welche auch kaum durchgängig genutzt werden konnten.

Bei aller gewünschter thematischer Diskussion und Streitkultur, hier versagte die Mitgliederversammlung des FC Carl Zeiss Jena vollends. Im Grunde war die MV als Vereinsorgan dieser Bezeichnung in diesen Minuten nicht würdig, was nicht nur einen sehr zweifelhaften Beigeschmack für das später verkündete Abstimmungsergebnis mit sich brachte. Blickt man auf die beispiellose Tragweite der Entscheidung am 15.12., so ist die extreme Einschränkung der Gegenargumentation (durchgängig sachlich und ruhig vorgetragen) einem Verein dieser Größe vollkommen unwürdig. Ohne Umschweife: hier wurde demokratischer Prozess unmöglich gemacht.

Apropos Abstimmung: die geheime Wahl erfolgte an Wahlurnen, was im Vorfeld zugegebenermaßen hardware-technisch gut organisiert wurde. Die Auszählung der Stimmen erfolgte letztlich durch die Geschäftsstellen-Mitarbeiterin Frau Müller und zwei junge Männer, welche ansonsten als FCC-Ordner auftraten. Selbstverständlich attestieren wir eine ordnungsgemäße Auszählung der Stimmzettel auf, neben und unter den Tischen. Der Wahlausschuss musste da nicht einmal genauer hinsehen, hat er auch nicht.

Schon sind wir beim Thema der Bewertung des Angebotes, über welches dann letztlich abgestimmt  wurde.

Die Summen, um die es sich dreht, sind für einen Otto-Normalverbraucher natürlich exorbitant und wenig greifbar, aber in der Liga des Monsieur Duchatelet und dem heutigen Fussballgeschäft allgemein natürlich eher weniger schwergewichtig. Der Einstieg in die Spielbetriebs-GmbH ist als „kleines nettes Projekt“ mit eher überschaubarem Risiko auf der Seite des millionenschweren Investors zu bewerten. Im Grunde hat R.D. auch bislang selbst nachgewiesen, dass sich sein ehrliches und aufrichtiges Interesse am FCC deutlich in Grenzen hält. So ist es weniger überraschend, dass einige Fans im Berliner „Stadion Lichterfelde“ ein amüsantes Spruchband mit der Aufschrift „[…]Wo ist Roland?“ aufhängten. Beweise für das mangelnde Interesse liegen auf der Hand: weder im Rahmen der Gespräche zum sich anbahnenden Vertrag mit unserer Vereinsführung, noch zur entscheidenden Mitgliederversammlung oder zur späteren Vertragsunterschrift und auch nicht zu den ersten Spielen der Rückrunde – kein Roland in Jena am Start. Der Citroen blieb in Belgien.

Natürlich muss man den Einstieg auch illusionslos betrachten: es geht um Kohle und Gewinne, Kontakte und Synergien für das Netzwerk. Der Jenaer Fussball an sich ist da ein brauchbares Glied, welches günstiger (man möge meinen: „billiger“) denn je zu bekommen war.

Bringt man nun die vereinseigenen Verlautbarungen ins Spiel, welche dem FCC ein frühzeitiges Ende (z.B. verstand man offensichtlich schockierender Weise auch 2-3 weitere Jahre in der Regionalliga) im Falle des Nicht-Einstieges prophezeiten, so war R.D. eine sehr gute Verhandlungsposition zu attestieren, nahm er sich doch sicher nicht nur selbst als Retter in höchster Not war. Was das für die Ausgestaltung der Verträge bedeutet hat, kann von den Mitgliedern des Vereins aktuell nicht mit gänzlicher Sicherheit diskutiert werden, da schlicht und einfach zu wenig darüber bekannt ist. Aber dazu später in dieser Rubrik mehr…

Roland Duchatelet setzt auf kleine bzw. im historischen Kontext geschrumpfte Vereine mit einer ausgesprochen guter Nachwuchsarbeit (siehe BD203). Es ist klar und bekannt, dass Chris Förster als Finanzwart eines seiner Unternehmen in Erfurt, den Fokus auf den FCC lenkte. Laut eigenen Aussagen war es also eher zufällig der FCC, der R.D. schmackhaft gemacht wurde. Auf die Frage, warum denn das Angebot nicht dem FC Rot-Weiß Erfurt unterbreitet wurde, sagte er selbst im OTZ-Interview: „So ist das halt mit Beziehungen. Erfurt wäre eine Option gewesen. Aber andererseits haben wir schon eine Firma in Erfurt. Da ist es nicht schlecht, etwas anderes in Jena aufzubauen.“. Erstmal unabhängig davon, dass der Club in diesem Zusammenhang mit einer Firma verglichen wird, spiegelt die Aussage ganz klar die fehlende Bindung wieder. Nun mag sicher behauptet werden, dass eine spezielle emotionale Bindung vom Investor zum Club nicht unbedingt nötig ist, was durchaus vertretbar ist. ABER: Eine solche enge Beziehung kommt doch dann zum Tragen, wenn es wichtig ist, nämlich wenn der Plan (hier: zügiger Aufstieg in Liga 3 als Zwischenstation) nicht sofort aufgeht und man einen steinigen Weg gemeinsam zu beschreiten hat. Dann ist der FCC die oft beschriebene heiße Kartoffel, die dann maximal noch zu belgischen Pommes verarbeitet wird…

Schaut man den eben zitierten Vergleich mit einer Firma genauer an, unterstreicht dies nochmal das rein egoistische Wirtschaftlichkeitsprinzip und widerspricht Aussagen von Duchatelet á la „Natürlich ist es wichtig, zu gewinnen, aber das ist nicht das einzige, was zählt. Fußball muss ein Ort der Begegnung sein. Mir ist wichtig, dass Familien gemeinsam zum Fußball gehen.“. Löbliche Floskel aus dem Fussballdiplomatie-Buch, nicht mehr.

Letztlich wird deutlich, dass wir „Mittel zum Zweck“ sind und auf Grund eigener Fehleinschätzung (zu hohe Maßstäbe, langjährige Fehlentscheidungen, verblendete Erwartungen bzw. Realitätsentfremdung) diesen Teufelsdeal eingegangen sind. Die Ultras von Standard Lüttich – sie haben im Grunde täglich mit R.D. zu tun – haben den Monopoly-Charakter der Machenschaften u.a. in eine passende Foto-Montage verbaut, welche nicht nur in Lüttich für Aufsehen sorgte…

EIN ANDERER FUSSBALL IST MÖGLICH…

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH!

[...]”

Heimsieg gegen Babelsberg

30 Mrz

Bei bestem Fußballwetter bezwang man die NullDreier mit 2:0. Am kommenden Sonntag folgt das Auswärtsspiel bei Lok Leipzig.

Gesammelte Werke // Hinrunde 2013/2014

28 Mrz

8xcg

Ab dem morgigen Heimspiel liegen für Euch die brandneuen Gesammelten Werke des Bratwurstdealer bereit. 280 Seiten geballte Spieltagsausgaben in ausgesprochen guter Druckqualität, zum Nachstöbern, Lücken füllen, Sammlung aufwerten. Der Preis ist geblieben, die Angebotsmenge auch wie gehabt bewusst eingeschränkt. Macht Euch also auf die Socken und vergesst nicht, am Häuschen vorbei zu gucken.

Auswertige Interessenten melden sich bitte per Mail: bratwurstdealer@horda-azzuro.de! Wir bitten an dieser Stelle darum, dass sich die Gruppen/Kurven untereinander absprechen, um Sammelbestellungen zu ermöglichen.

FREIE KURVEN! FREIE TEXTE!

Niederlage gegen Hertha II

22 Mrz

Gegen Hertha Zwee verlor unsere Equipe mit 2:1.  Nächsten Sonntag folgt dann das Heimspiel gegen Babelsberg. 

“unbeugsam und unverkäuflich” – Bratwurstdealer ’203

19 Mrz

Beginnend mit Ausgabe ’202 zum Rückrunden-Auftakt gegen Nordhausen vor 2 Wochen, haben und werden wir im BRATWURSTDEALER unsere grundsätzlichen Ansichten und Kritikpunkte zum Anteilsverkauf der FC Carl Zeiss Jena Spielbetriebs-GmbH erläutern. Die Thematisierung sollte in diesem Umfang bereits zur Mitgliederversammlung im Dezember erfolgen.

Nachdem in der ’202 ein leichter Einstieg in die Thematik erfolgte, gingen wir in der vorgestern veröffentlichten Ausgabe 203 zum eigentlichen Start der Rubrik “UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH” über. Begonnen haben wir mit einer Betrachtung der offenkundigen Tätigkeiten des Herrn Roland Duchatelet im Fussballgeschäft und den Auswirkungen seines Netzwerkes. Viele weitere interessante Aspekte und Argumente folgen in den kommenden Ausgaben.

Bratwurstdealer ’203, 16.03.2014, Heimspiel Magdeburg:

“[...]

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH, Teil 2

In der vergangen Ausgabe haben wir Euch unter dieser Überschrift einen Einstieg in die, uns aktuell alle über Gebühr beschäftigende, Thematik rund um den Einstieg des Roland Duchatelet in unseren Fussballclub gegeben.

Wir wollen in einem zunächst recht gut einschätzbaren Zeitraum bis zur Sommerpause, die noch ausstehenden sechs Ausgaben des BD nutzen, um die hauptsächlichen Kritikpunkte zu thematisieren. Dabei ist es uns wichtig, die zur Mitgliederversammlung im Dezember seitens Präsidium und Versammlungsleitung kurzfristig stark eingeschränkte Argumentation detailliert und verständlich aufzubereiten. Zwar ist das Ziel, zur Mitgliederversammlung Überzeugungsarbeit zu leisten, verfehlt wurden, jedoch ist der Kampf um einen mitgliederbestimmten FC Carl Zeiss Jena damit noch längst nicht verloren.

Beginnen möchten wir heute mit einer allgemeinen Betrachtung der Machenschaften des Monsieur Roland Duchatelet, der Struktur und Auswüchsen seines Netzwerkes und einem intensiven Blick zu anderen eingesammelten Vereinen.

Bevor Roland Duchatelet seine Fühler nach Deutschland ausstreckte, war er bereits Anteilhaber bzw. Besitzer der beiden belgischen Vereine VV Sint-Truiden und Standard Lüttich. Weiterhin besaß er bzw. sein Sohnemann schon große Anteile am ungarischen Erstliga-Hauptstadtclub Ujpest Budapest. Duchatelet stieg 2003 bei VV Sint-Truiden als Präsident und Mäzen ein. Er baute das dortige Stadion in eine moderne Arena um und mischte sich oft sportlich ein, griff dabei  aber zumeist ins Klo. Er legte sein Amt 2011 nieder, als er bei Standard Lüttich einstieg.

Für bis dato am meisten Aufsehen sorgt sein Engagement in Lüttich, immerhin bei einem der größten, erfolgreichsten und beliebtesten Vereine im westlichen Nachbarland. Zudem verfügt Standard über eine große Fanszene, welche sich in den letzten Jahren europaweit viel Respekt und Anerkennung erkämpft hat. 2011 stieg der damals 65-jährige Roland Duchatelet also bei den Rot-Weißen ein. 41 Millionen Euro ließ er sich den kompletten Club kosten. Eine „50+1“-Regel ist in Belgien leider nicht vorhanden, was eine solche Komplettübernahme natürlich erst möglich macht. Relativ schnell führte die Vereinspolitik des Verfechters einer progressiv liberalen Wirtschaftsideologie (R.D. gründete u.a. die Partei „Vivant“ in seinem Heimatland) zu umfangreichen Protesten in Fussball-Lüttich. Im Rahmen der ihm nachgesagten „Fallbeil“-Politik entließ er zunächst den sog. Generaldirektor des Clubs, später den Jugendleiter und Pressesprecher, sowie andere Standard-Urgesteine. Besonders makaber mutet sein Vorgehen gegenüber den langjährigen Greenkeepern der Standard-Plätze an. Diese ließ er über längere Zeit per Video bei der Arbeit kontrollieren, um sie letztlich aus fadenscheinigen Gründen vor die Tür zu setzen. Die zweifelhafte Krone setzte sich R.D. dann mit der Entlassung der Lütticher Fussball-Legende Mircea Rednic auf, der trotz Qualifikation für den Europacup gehen musste und durch einen „besseren Trainer“ ersetzt wurde.

Die Fans von Standard sind seither voller Hass und wünschen sich nichts sehnlicher, als den Ausstieg und das Verschwinden von Duchatelet. In ihren Augen vernichtete die „mit der Vergangenheit aufräumen“-Politik den in ganz Belgien bekannten und weithin gefürchteten Standard-Spirit. Ein Lebens- und spezielles Zusammengehörigkeitsgefühl von Club, Anhängern und der Stadt. Zu allem Überfluss zahlte sich Duchatelet trotz wirtschaftlicher Verluste des Vereins, selbst eine Dividende in Höhe von 20 Millionen Euro aus.

In den Tagen vor unserer Mitgliederversammlung im Dezember, geisterten immer mal wieder verknappte Halbsätze durch die medialen Berichterstattungen der hiesigen Medien: es soll in Lüttich „Fanproteste“ gegen den Vereinsinhaber gegeben haben. Gern bringen wir an dieser Stelle Licht ins Dunkel: seitens der Standard-Fans wurden verschiedenste größere und kleinere Demonstrationen organisiert, um der Öffentlichkeit auf der einen Seite, aber auch Duchatelet auf der anderen Seite, deutlich zu machen, dass sie diese Fremdbestimmung zu Ungunsten des Vereinsklimas nicht tolerieren. Unter anderem auch vor den Firmenniederlassungen des Duchatelet-Imperiums protestierten die Fans. Auch während der Spiele wurde die Politik des neuen Club-Inhabers immer wieder plakativ thematisiert, unter anderem in einer großen „RSCL-Fans against Duchatelet“-Choreografie zu einem Standard-Auswärtsspiel, mit großen Fronttransparent und hunderten durchgestrichenen R.D.-Porträts. Zum Höhepunkt der Proteste stürmten 7.000 (!!) Fans das Stadion, wo zur gleichen Zeit eine „Vereinsversammlung“ stattfand, um den verhassten Duchatelet vom Hof zu jagen. Der einhellige Tenor: „DUDUCHE – CASSE TOI!“ (…hau ab!). Das Vereinsklima war zu diesem Zeitpunkt komplett am Boden, der stolze Club in seiner Innen- und Außendarstellung ruiniert. Trotz Aufbau der Jugendakademie zu Gunsten seines Netzwerkes bietet „Duduche“ (wie ihn die Lütticher gern nennen) heute den Club für 80 Millionen Euro zum Verkauf an, er scheint die Lust am Spielzeug verloren zu haben. Er begründet das Verkaufsangebot aber mit dem zu groß gewordenen Druck auf seine Person bzw. seine Familie.

In Budapest, wo augenscheinlich sein Sohn Broderick die violetten Fäden in der Hand hält, gab es ebenfalls Proteste gegen den Duchatelet-Einstieg, inklusive eines Protest-Marsches. Es ist mehr als offensichtlich, dass auch an der Donau Geld für das Imperium Geld verdient werden soll. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die nicht nur politisch meilenweit voneinander entfernten Szenen aus Lüttich und Budapest bei der Einschätzung und Bewertung der Duchatelet-Herrschaft irren.

Den Kontakt nach Jena gewann der Monsieur über ein ihm gehörendes Unternehmen in Erfurt. Der dort ansässige Finanzverantwortliche (Chris Förster, seines Zeichens auch FCC-Mitglied) schlug vor, sich für das geplante Engagement in Deutschland doch mal unseren FCC anzuschauen. Traditionsreicher Club, landesweit bekannte Nachwuchsschmiede, sportlich im Niemandsland, durch eine Vielzahl von wirtschaftlichen und personellen Fehltritten selbst um den eigenen Erfolg gebracht und dadurch obendrein noch unglaublich günstig „zu bekommen“. Angeschaut hat sich der Multi unsere Stadt und den Club noch nie, zumindest nicht persönlich…

Bevor wir in der kommenden Ausgabe (#204, gegen den SV Babelsberg) ganz ausführlich auf die Bewertung seines Angebotes an Rainer Zipfel zum Einstieg in Jena, den Charakter des Gesamtkonzeptes und verschiedene einhergehende Szenarien zu sprechen kommen, wollen wir uns noch etwas ausführlicher mit dem auseinandersetzen, was „Duduche“ kurz nach seinem Einstieg hier in Jena bereits noch so alles erledigte. Der blaugelbweiße Traditionsclub aus der Ostzone ist nämlich längst nicht das Ende der Fahnenstange, eher ein kleiner Schritt auf einem langen belgischen Spaziergang. Der Spaziergang einer gut ausgerüsteten Spinne, welche sich ein Netz erschafft. Denn in kürzester Zeit vermeldeten die Medien den Kauf des englischen Traditionsclub Charlton Athletic aus dem Südosten Londons. Und es ging Schlag auf Schlag weiter, denn wenig später reihte sich auch der spanische Zweitligist AD Alcorcon aus Madrid in die Vereinssammlung ein. Es soll nicht der letzte Anknüpfungspunkt der Netzes sein…

Kommen wir auf den aktuellen Zweitligisten Charlton zu sprechen, kommen wir nicht um die traditionell starke Nachwuchsarbeit der Vorstädter herum, welche eine eigene Nachwuchsakademie beinhaltet. In einer kürzlich ausgestrahlten Reportage von „BBC Sports London“ wird folgendes deutlich: Duchatelet legt großen Wert auf die Transferpolitik, innerhalb des Netzwerkes, aber auch extern. Hauptsächlich geht es um den Austausch von jungen Spielern aus guten Nachwuchszentren in Charlton und Lüttich, aber auch andernorts, wie zum Beispiel mit dem Nachwuchsleistungszentrum im Jenaer Paradies. In England (Charlton) und Spanien (Alcorcón) sind hohe Ziele angesetzt, die Lage in der Peripherie der bedeutenden Hauptstädte ist dabei kein Zufall. Die jungen Spieler sollen speziell in diesen Vereinen erfolgreich spielen. Dabei streicht aber die Reportage, welche am 03.03. erschien, auch heraus, dass R.D. offiziell keinen Verein bevorzugt, alle seien ihm gleich viel Wert. Theoretisch. Denn, so wird glasklar deutlich, dass alles soll das Ziel haben, irgendwann „Geld zu machen“. Natürlich betrachtet die BBC-Reportage vor allen Dingen die Auswirkungen der Netzwerkbildung auf den Londoner Club und zitiert Duchatelet mit: “Dieser Club soll auch Geld machen – ab einem bestimmten Zeitpunkt. Und ich schließe es nicht aus, dass einige Spieler von Charlton an Standard Lüttich verkauft werden; um Champions League zu spielen.”

Weiterhin werden die aktuellen Aktivitäten des Belgiers in Charlton so beschrieben, dass seine Transferpolitik schon wenige Tage nach dem Einstieg deutlich erkennbar sei. Ein Beispiel: Charlton verkaufte zwei der am besten vertrauten Spieler unter Manager Chris Powell. Sie wurden ersetzt durch einige ausländische Spieler, darunter vier (drei auf Leihbasis) von Standard Lüttich – ein recht ungleicher Tausch zu Ungunsten der Engländer und schneller über die Bühne gebracht, als man sich vor Ort auf die neuen Umstände einzustellen vermochte.

Die komplette Reportage ist übrigens hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=LfbYEzoH6V

Standard Lüttich, Ujpest Budapest, Charlton Athletic, AD Alcorcon, FC Carl Zeiss. Das ist bis jetzt ‘Network Duchatelet’ und jüngst machten Gerüchte die Runde, dass sich auch nach strukturell vergleichbaren Vereinen in Italien und Portugal umgesehen wird. Sicher nur eine Frage der Zeit, bis Vereine Nr. 6 und 7. in der illustren Runde begrüßt werden dürfen. Duduche wird damit seinem Ziel, ein europäisches Fussballnetzwerk zu schaffen, sehr nah kommen. Doch was bringt ein Netzwerk allgemein und in diesem Fall ganz speziell?

Natürlich wird oberflächlich mit kurzen Kommunikationswegen und Erfahrungsaustausch argumentiert, weiterhin auch mit angemessenen, immer bedarfsorientierten und fairen Transfers zwischen den vernetzten Clubs. In einem OTZ-Interview vom 13.12.2013, welches logischerweise in Belgien initiiert wurde, wird der Strippenzieher folgendermaßen zitiert: „Für gute Jenaer Spieler ergeben sich neue Perspektiven. Sie können möglicherweise in einem Verein spielen, wo sie ihre Möglichkeiten besser ausschöpfen. Junge Spieler von Standard Lüttich, die noch keine Chance haben, in der ersten Mannschaft zu spielen, können in Jena Erfahrung sammeln, gegen richtige Männer spielen!“. In eben jenem Interview gibt Duchatelet auch zu, was Zipfel und Co. an der Saale wohl nicht so ganz geschmeckt haben wird, vor allem so kurz vor der entscheidenden Mitgliederversammlung. Er gibt nämlich zu, dass durchaus auch der RWE (anstatt dem FCC) für einen Einstieg in Frage gekommen ist, er das Ganze recht emotionslos betrachtet und damit auch nicht geheimnisvoll umgeht. Aber dies soll uns an anderer Stelle in dieser Rubrik intensiver interessieren.

Lieber zeichnen wir an dieser Stelle ein für unseren Club sehr viel realistischeres Szenario nach der Verschmelzung im bereits aufgeführten Netzwerk. Viel schneller als uns Allen lieb ist, könnte der FCC zu einem Ausbildungsverein für junge Spieler werden, welche nach einer gewissen Reifeprüfung hierzulande z.B. in Lüttich oder Budapest in die ersten Mannschaften integriert werden. Dadurch wird ein langfristiger und von Geduld und Vertrauen geprägter Aufbau einer festen Mannschaft (bzw. eines Mannschaftskerns) mit eigenen Leuten nahezu unmöglich. Genau das, was das Nachwuchszentrum unter Regie von Stefan Treitl und Jürgen Backhaus erreichen soll, nämlich den FC Carl Zeiss mit eigenen Mitteln wieder in die 2. Bundesliga zu führen, wäre damit komplett auf den Kopf gestellt. Erinnert sei an dieser Stelle kurz an das Team, welches uns vor wenigen Jahren aus der Oberliga in die 2. Bundesliga brachte und aus einem festen, miteinander gewachsenen, Grundgerüst bestand. Die damalige Mannschaft schaffte genau das, was wir uns heute auch wünschen, aber mit der eingeschlagenen Politik so gut wie unmöglich ist. Das Streben nach eigenem sportlichen Erfolg hier im Paradies kann schnell eine untergeordnete Rolle spielen, wenn sich mit den Spielern zum Beispiel in Lüttich mehr Geld verdienen lässt. Mit viel Mitleid werden wir nicht rechnen können, schließlich will R.D. sein Investment auch gewinnbringend einsetzen. An dieser Stelle zu behaupten, man könne  von den Transfers finanziell profitieren, ist allein auf Grund der gängigen Ausleihe-Praxis eine glatte Lüge. Und selbst wenn im Ausnahmefall ein paar belgische Euro fließen sollten, kann das Hoffen darauf nicht der Antrieb duzender engagierter Nachwuchstrainer sein. Letztlich bilden wir uns leider ein, am finanziellen Tropf von R.D. zu hängen, was uns u.a. Rainer Zipfel so verkaufen wollte und davon leider auch viel zu viele FCC-Mitglieder blödsinnigerweise überzeugen konnte. Genau diesen Umstand kann R.D. nutzen, um im Grunde jede auch noch so unpopuläre Entscheidung durchzusetzen. Schließlich kann er den Geldhahn auch einfach zudrehen. Wenn er sich noch nicht ein einziges Mal die Zustände in der Oberaue mit eigenen Augen angeschaut hat, wird er auch so schnell kein Interesse daran entwickeln, hier in irgendeiner Art und Weise mögliche Gefallen zu verteilen.

An dieser Stelle lohnt auch ein kurzer Exkurs nach Österreich, wo der Primus Red Bull Salzburg gleich zwei Farm-Teams (Ausbildungsvereine) besitzt, inoffiziell und offiziell. Da wären zum einen der FC Pasching, welcher inoffiziell für RB ausbildet und zum anderen der FC Liefering (welch‘ passender Name!), welcher offiziell für das Salzburger Limo-Imperium fungiert. Dabei steuert RB das Geschäft mittels Geldern und gezielten Anweisungen – ein klassisches Netzwerk, an dessen Spitze eine Geld- und Marketingmaschine an der Sonne weilt und die Erfolge einstreicht.

Wollen wir das wirklich? Ein Club sein, der fremdgesteuert ist, ein Spielzeug (die Fotos des Kartenspiels und der Tassen sind keine Fotomonate!) eines Wildfremden? Eines Wildfremden, der ernsthaft keinerlei Herz und Sympathie für den Jenaer Fussball besitzt? Ein Wildfremder, der uns eher zufällig ausgewählt hat und unsere vermeintlich unglückliche Lage ausnutzt, um sich als Retter auch noch feiern zu lassen? Wollen wir mit einer Akzeptanz für diese Katastrophe das uns selbst gegebene Leitbild mit Füßen treten und in eine Zukunft gehen, welche ganz sicher nicht von großem Fussball im Ernst-Abbe-Sportfeld geprägt ist? Fussball, Fussballclub und Identifikation ist mehr, als der wankelmütige Traum von „besseren Zeiten“ und dem Folgen falscher Propheten…

Lest in der nächsten Ausgabe mehr zu den Details des Deals, möglichen zukünftigen finanziellen Szenarien und auch, was bei der Mitgliederversammlung im Dezember dazu führte, dass wir jetzt – im Übrigen ohne Rainer Zipfel – diese Katastrophe vor der Nase haben. Bis dahin freuen wir uns über jedes faire Gespräch mit Euch und sind jederzeit offen dafür. 

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH! WIR LIEBEN DEN FC CARL ZEISS JENA!

[...]”

Wir wünschen uns faire, offene und abseits des Internets stattfindende Gespräche und Diskussionen mit allen interessierten Anhängern unseres geliebten FC Carl Zeiss. Wir weisen nochmals daraufhin, dass wir uns garantiert nicht isolieren, sondern uns ganz bewusst präsent zeigen. Wir sind zu jeder Zeit gesprächsbereit und werden unsere Argumente gern in Ruhe im persönlichen Austausch vortragen.

Heimspiel gegen Magdeburg

16 Mrz

Das Heimspiel gegen den 1.FCM verlor unsere Mannschaft mit 1:4.