News / Südkurve bleibt!

Jetzt Nägel mit Köpfen machen – Offener Brief an die Thüringer Polizei – „SÜDKURVE BLEIBT“

Sehr geehrter Herr Goltz,

sehr geehrter Herr Quittenbaum,

sehr geehrter Herr Wehling,

 
in wenigen Tagen wird es soweit sein – die Ausschreibungsunterlagen für den Neu- bzw. Umbau des Ernst-Abbe-Sportfeldes werden im Zuständigkeitsbereich des Projektstabes der Stadt Jena redaktionell finalisiert, entsprechend dem im Stadtrat beschlossenen Prozess den weiteren Schritten zugeführt.

 
Das hochemotionale und in der Öffentlichkeit bisweilen auch kritisch betrachtete Projekt steht damit kurz vor einem weiteren Meilenstein, welcher die tatsächliche Umsetzung der Bauarbeiten zum Greifen nahe kommen lässt. Der Prozess bis hierhin war von vielen kleinen und großen Diskussionen geprägt. Wir haben über Standorte diskutiert und tausende Füße über matschige Jenenser Straßen demonstrieren sehen, um das Ernst-Abbe-Sportfeld für den FC Carl Zeiss Jena zu erhalten. Wir haben Betreiberkonzepte ebenso behandelt, wie den Erhalt bzw. Wideraufbau der Flutlichtmasten. Es wurde öffentlich über die Finanzierung und Folgekosten debattiert. Nun scheinen sich alle Beteiligten im Sinne der Sache zu fokussieren und FÜR ein GEMEINSAMES Stadion zu agieren.

 
Unabhängig von all diesen Punkten haben wir am 02. März diesen Jahres den mit Abstand emotionalsten und bewegendsten Diskussionspunkt mit Bravour bewältigt. Das Ergebnis des gemeinsamen und vom international angesehenen und mit unstrittiger Expertise versehenen Mediator Helmut Spahn geleiteten Mediationsprozesses begeisterte nicht nur die Jenaer Fanszene, sondern besitzt bis heute positive Strahlkraft weit über die Grenzen unserer Saalestadt hinaus. Es war nie einfach, aber immer konstruktiv und im Sinne der Sache. Der FC Carl Zeiss Jena und seine Fanszene sind stolz auf das Ergebnis und bereits mit Vorbereitungen vertraut, im neuen Ernst-AbbeSportfeld aus der SÜDKURVE heraus eine stimmungsvolle und attraktive Heimkulisse für den Fussball in unserer Stadt zu schaffen.

 
Um das gemeinsame Ergebnis zu charakterisieren, zitieren wir aus dem Abschlussbericht von Mediator Helmut Spahn: „Die in der Gesamtschau signifikanten sicherheitsrelevanten Vorteile für die Stadt Jena, den Verein FC Carl Zeiss Jena, die aktive Fanszene und die Polizei / BOS überwiegen bei weitem die noch im Raume stehenden kleinen Restrisiken, die aber jedem Konzept innewohnen.[…]Sollte man es schaffen, hier gemeinsam positiv Signale zu setzen, werden sich kurz- und mittelfristig nachhaltige Effekte ergeben, die einen weit größeren Sicherheitsgewinn generieren werden, als kräfteaufwändige und restriktive Sicherheitskonzepte.

 
Direkt im Nachgang der Verkündung des Mediationsergebnisses durch die Stadt Jena arbeiteten wir den beteiligten Interessenträgern einen Formulierungsvorschlag für den im Konzept „Selbstreflexion, Selbstverpflichtung, Selbstregulierung und Verantwortung“ selbst ausgearbeiteten Ansatz einer Rückfallebene zu. Am 19. April beantworteten Sie, Herr Goltz, darauf auf konstruktive Weise mit einem angepassten Formulierungsvorschlag, welcher jedoch nicht direkt an den FC Carl Zeiss Jena bzw. die im Prozess beteiligten Fan-Institutionen gesendet wurde. Der Projektstab der Stadt Jena hinterfragte seinerseits die Formulierung des lediglichen „Beitritts der Polizeibehörden“ zur Vereinbarung der Stadt Jena, des FC Carl Zeiss Jena und des SÜDKURVE-Rates bzw. FanInstitutionen.

 
In einer Antwort der Polizeiinspektion Jena vom 02. Juni wird die juristische Bewertung von „Beitritt vs. Unterschrift“ nicht explizit durchgeführt. Stattdessen erschreckte uns, dass die PI Jena wiederholt Forderungen im Rahmen von baulichen Infrastrukturmaßnahmen gegenüber der Stadt Jena formulierte, welche im Mediationsprozess ausführlich und bis ins kleinste Detail ausdiskutiert wurden. Die Forderung einer Ertüchtigung des sog. „Sportstegs“, eine Einzäunung des Bahndamms zwischen dem Bahnübergang („Ammerbacher Bahnhof“) und der Bahnunterführung am Felsenkeller und die Verbreiterung der angesprochenen Bahnunterführung (im Übrigen wohl im Aufgaben- und Verantwortungsbereich der Deutschen Bahn) sind Bestandteil des Mediationsprozesses gewesen. Im Abwägungsprozess der Mediation wurde der nachhaltigen Vereinbarung aller Beteiligten einstimmig mehr Gewicht als vereinzelten infrastrukturellen Nachteilen zugesprochen. Die überwiegende Bedeutung wurde so als zentrales Ergebnis des Prozesses von allen beteiligten Interessenträgern beschrieben und veröffentlicht. Die Feinjustierung der Vereinbarung zur Rückfallebene und des Mediationsergebnisses sollte lediglich als einziges No-Go enthalten, dass daraus keine infrastrukturellen Kosten auf die Stadt Jena zukommen. Eine Neubewertung der in Ihren Augen relevanten Örtlichkeiten kann ausgeschlossen werden, da sich seit dem Mediationsabschluss keinerlei substantiellen baulichen Änderungen ergeben haben.
Desweiteren ersparen wir uns allen an dieser Stelle weitere detaillierte Szenarien-Beschreibungen aus den Mediationsgesprächen.

 
Wir maßen uns nicht an, eine sicherheitspolitische Bewertung der von Ihnen nun abermals eingebrachten Spots vorzunehmen, wollen Sie aber daran erinnern, dass bereits im Rahmen der Mediation deutlich wurde und ins gemeinsame Ergebnis einfloss, dass verschiedenste grundsätzlich angezeigte infrastrukturelle Verbesserungen im Norden und Westen des Stadions in keinerlei kausalen Zusammenhang mit der Verortung von Heim- und Gästefans stehen. Bei gut besuchten Heimspielen des FC Carl Zeiss Jena ist es faktisch irrelevant, ob sich Heim- oder Gästefans entlang bzw. durch/über die angesprochenen Örtlichkeiten zum EAS bewegen. Schon im jetzigen Liga-Alltag wurde mit der Modifizierung des Weges der Gästefans durch die Unterführung „Alter Paradiesbahnhof“ ein praktikabler Lösungsansatz gefunden und praktiziert, der das vermeintliche Problem Felsenkellerunterführung „entschärft“. Bereits in der mit Schreiben vom 19.04.2017 übermittelten Zusammenfassung des Mediationsergebnisses durch Herrn Goltz führt diese zur Wegesituation (Felsenkellerunterführung, Sportsteg, Beleuchtung Paradies) aus, dass „die Verbesserung dieser Situation ist bereits jetzt dringend geboten.“ ist. Eine mögliche Notwendigkeit infrastruktureller Maßnahmen steht also NICHT im Zusammenhang mit der Verortung von Heim- Und Gästefans im künftigen Stadion.

 
Der Öffentlichkeit entsteht durch eine anderslautende Bewertung leider der Eindruck, dass dies nicht so wäre. Dennoch erklärt sich die Fanszene hiermit bereit, auch in diesem Bereich eigene Mittel (v.a. durch das weltweit für Aufsehen sorgende „crowdFANding“) beizusteuern.
Die Jenaer Fanszene hat in einem unvergleichbaren Werdegang, unter Hinzuziehung eines eigens konzipierten und bis heute weltweit einmaligen Finanzierungs- und Beteiligungsprojekt, eines eindrucksvollen professionellen Mediationsverfahren und eines Selbstregulierungs- und verpflichtungskonzept alles für ein stimmungsvolles neues Ernst-Abbe-Sportfeld gegeben. Wie man es in diesen Tagen auch dreht und wendet: das neue Ernst-Abbe-Sportfeld wird kommen und eine blaugelbweiße SÜDKURVE beherbergen.

 
Wir fordern Sie daher dazu auf, sich auf das gemeinsame Mediationsergebnis und die darin enthaltenen Inhalte zu besinnen und sprichwörtlich als letzten Akt die Vereinbarung zur Rückfallebene (Stand 19. April) zu unterzeichnen. Es ist Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen – an der Fanszene des FC Carl Zeiss wird es nicht scheitern.

 
Wir bedanken uns für Ihre Unterstützung. SÜDKURVE BLEIBT!
Mit tausendfachen blaugelbweißen Grüßen

 
SÜDKURVE FC CARL ZEISS JENA

FANPROJEKT JENA & FANBETREUUNG FC CARL ZEISS JENA