Unbeugsam und unverkäuflich

„unbeugsam und unverkäuflich“ – Bratwurstdealer ‚204

Bratwurstdealer ’204, 30.03.2014, Heimspiel Babelsberg:

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UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH, Teil 3

Möglichst unabhängig von der nur schwer verdaulichen sportlichen Krise wollen wir in unserer Argumentation fortfahren, welche sich heute um die Umstände während der Anbahnung des Einstiegs des belgischen Multimillionärs Roland Duchatelet in die Spielbetriebs-GmbH unseres FC Carl Zeiss dreht. In Ausgabe 203 haben wir vor zwei Wochen die bisherigen Aktivitäten von R.D. unter die Lupe genommen und u.a. sein expandierendes (Fussball-)Netzwerk genauer beleuchtet.

Heute wollen wir uns ein wenig weiter auf dem Pfad des „Warum?“ bewegen und auf die Spur der Gründe für den unsäglichen Einstieg kommen, welcher den FC Carl Zeiss und seine Anhänger in den kommenden Monaten oder unter Umständen auch Jahren arg beschäftigen wird. Ebenso soll uns ausführlich beschäftigen, wie die Mitgliederversammlung im Dezember vonstatten ging. Eine vorgesehene konkrete Betrachtung der finanziellen bzw. wirtschaftlichen Details des Anteilsverkaufs und damit einhergehende Szenarien ist kurz vor Redaktionsschluss von uns wieder herausgenommen und in Ausgabe 205 verschoben worden. Um a) die Beitragslänge (und damit auch die Konzentration des Lesers) nicht überzustrapazieren und b) der an sich recht pikanten Thematik nicht zwischen anderen Argumentationsfelder zu wenig Aufmerksamkeit zu Teil werden zu lassen.

Zu Beginn wollen wir auf den 15. Dezember zurückblicken, die entscheidende Mitgliederversammlung. Gleich eingangs soll klar gestellt sein, dass all‘ jene, welche entweder aktiv gegen den Investor gestimmt haben oder aber passiv und ohne Stimmrecht den Investor ablehnen, die Entscheidung der Mitgliederversammlung als demokratisches Ergebnis akzeptieren. Der aus der Konsequenz resultierende Protest ist demnach keine Form bockigen Verhaltens oder gar Missbilligung der Mitgliederentscheidung. Ebenso liegt es uns fern, in eine Opfer-Rolle zu schlüpfen, was schon allein unserer optimistischen und kämpferischen Attitüde widerspricht.

Nun, die Mitgliederversammlung. Der Dritte Advent, ein theoretisch gelassener Sonntag in der Vorweihnachtszeit. Das turnusmäßige Zusammentreffen des höchsten Vereinsorgans war eigentlich für das vorhergehende Wochenende angesetzt. Es reifte aber in den Vorwochen im Präsidium der Gedanke, den im stillen Kämmerlein schon vorangetriebenen Vertragsschluss mit Duchatelets „Staprix“ noch im alten Jahr auf der ohnehin angesetzten MV von den Mitgliedern durchwinken zu lassen. So wurden die Mitglieder ganze 8 Tage vor dem eigentlichen Termin relativ stümperhaft über eine Verlegung um eine Woche informiert. Zum Teil mit der Post, im Gros jedoch via Info auf der Homepage.

Die Kurzfristigkeit passte dazumal zur fehlenden Transparenz. Als die Terminverlegung dann Gesetz wurde, war nach Aussage des nun scheidenden Rainer Zipfel bereits alles unterschriftsreif.

Fürwahr ist es nachvollziehbar, dass zur Anbahnung von derlei weitreichenden Verhandlungen eine zu große öffentliche Aufmerksamkeit nicht gerade produktiv ist und nicht nur die Medien gerne für (unnötige) Unruhe sorgen um die Quote oder Auflage zu sichern. Allerdings reden wir in unserem Fall nicht von rein privatwirtschaftlichen Fusionen oder Übernahmen, sondern vom – wenn man so will – wirtschaftlichen Zweig unseres Fussballvereins. In den ausstehenden zwei Wochen sickerten dann mal mehr, mal weniger glaubhafte Gerüchte durch. Am 05.12. machte dann ein Pressegespräch in der Geschäftsstelle dem Rätselraten ein Ende. Im Rahmen dessen wurde Chris Förster als zukünftiger zweiter Geschäftsführer präsentiert und erste Details zum Investoren-Deal preisgegeben.

Uns wurden zeitgleich einige Fälle bekannt, welche durchaus Ungläubigkeit hervorriefen. So wurden FCC-Fans sämtlicher Altersstufen u.a. im Ticketcenter abgewiesen, als diese dort einen Mitgliedschaftsantrag ausfüllen wollten, um vor der MV noch ein offizielles Mitspracherecht zu erhalten. Natürlich wäre diese Kritik weniger angebracht, wenn es sich dabei ausschließlich um junge Zeisser gehandelt hätte, welche damit möglichen Aufrufen zur kurzfristigen Mitgliedschaft gefolgt wären. Nein, es wurde kategorisch abgelehnt und somit auch verdiente und langjährige Zeiss-Fans darauf verwiesen, sich ab Januar wieder melden zu können. Im Januar, wenn die Pommes vernascht ist.

Dass dies nicht zu einem Verein passt, welcher vor nicht allzu langer Zeit aus verschiedenen Gründen eine große Mitgliederoffensive gefahren ist, muss sicher nicht genauer erläutert werden. Angesichts dessen, dass in den Augen der Entscheidenden vermeintlich mehr Gegen- als Fürstimmen kurzfristig die Mitgliedschaft erlangt hätten, schien der Zweck die gewählten Mittel wohl zu heiligen. An dieser Stelle soll nicht etwa beklagt werden, dass bis dato nicht als Vereinsmitglieder geführte Anhänger kein Stimmrecht bekommen haben, sondern dass Diesen der Zugang zum Mitgliederstatus vor der MV verwehrt wurde. Nun kann im Gegenzug freilich ins Feld geführt werden, dass sich nicht beschwert werden darf, wenn man die Monate zuvor auch kein beitragszahlendes Mitglied war. Aber: eine Mitgliedschaft macht per se keinen „besseren“ oder „wichtigeren“ Anhänger aus Dir. Nicht wenige Zeisser verzichten beispielsweise auf eine Mitgliedschaft im Club, um mit arg klammen Haushaltskasse lieber 2-3 Auswärtsspiele im Monat bestreiten zu können um dort für den Verein gerade zu stehen…

An besagtem Sonntag fanden sich so viele Mitglieder wie selten zuvor in der Zeiss-Mensa an der Tatzendpromenade ein. Ausnahmslos alle Anwesenden werteten dies als verständliche Reaktion der FCC-Mitglieder, bei der anstehenden Entscheidung ein Wörtchen mitreden oder eben ein Kreuzchen mitsetzen zu können. Nachdem die Standard-Tagesordnungspunkte mit Rechenschaftsberichten und anderweitigen Rückblicken abgehakt werden konnten, ging es zum zentralen Tagesordnungspunkt über – die Thematisierung des „Angebotes“ samt anschließender Abstimmung. Es folgte ein sehr ausführlicher und langatmiger Vortrag von Rainer Zipfel über das Zustandekommen des Kontaktes und eine gebetsmühlenartige Erläuterung der wirtschaftlichen Eckpunkte. Allerdings ließ er ganz bewusst ein sehr zentrales Puzzle-Stück aus, was auch die nach ihm animierten Redner nicht zu ergänzen verstanden. Denn er vergaß, dem gemeinen FCC-Mitglied den Aufbau der Geschäftsanteile der GmbH zu erläutern. Dieser besagt nämlich, dass 95% der Kapitaleinlage Monsieur Duchatelet bzw. seiner „Staprix“ gutgeschrieben ist, lediglich 5% vom eingetragenen Verein gehalten werden…

Dies soll uns dann in Ausgabe 205 profund beschäftigen (kurzfristig herausgenommen).

Herrn Chris Förster, welcher erst einmal unter Beweis stellte, dass er doch tatsächlich schon längere Zeit FCC-Mitglied ist, wurde dann die Aufgabe zuteil, den Mensch Roland Duchatelet dem langsam müde werdenden FCC-Volk vorzustellen. Hängen geblieben sind hier Umschreibungen á la „Citroen statt Maybach“ und „Vertrauen statt Kontrolle“ (an dieser Stelle sei auf die Umstände um die Entlassung langjähriger Vereinsmitarbeiter in Lüttich hingewiesen; siehe BD203). Auch etliche recht angesehene Jenaer Gesichter wie Ex-Bürgermeister Röhlinger oder Analytik-Boss Berka bekannten sich zu einem Investoreneinstieg und der Gutherzigkeit vom belgischen Heiligen. Natürlich durfte auch der selbsternannte sibirische Netzwerkspezialist und wohl peinlichste und unproduktivste Aufsichtsrats-Chef den wir je hatten seine Kampfansage pro Investor durch die Mensa krächzen. Eine Runde Sache, möchte man meinen.

Natürlich blieben die Argumente von Rainer Zipfel am stärksten hängen, schließlich verstand er es wie kein Zweiter an diesem Sonntag, die große Runde in seinen Bann zu ziehen. Dabei benutzte er beinahe propagandistische Mittel, um das Szenario „was passiert, wenn wir heute ablehnen!?“ aufzubauen.

Und an dieser Stelle schieden sich die Geister extrem. Rainer Zipfel behauptete in seiner ganz eigenen Art und Weise, dass der Einstieg eines externen Investors in der aktuellen Situation absolut „alternativlos“ wäre. Eine, nüchtern betrachtet, bewusste und maßlose Übertreibung, welche die finanziellen, organisatorischen und auch menschlichen Management-Fehler der vergangenen Jahre (die er zugegebenermaßen sicher nicht zum überwiegenden Teil selbst zu verantworten hat) vollkommen unter den Tisch fallen lässt.

Nicht umsonst ist „alternativlos“ von einer Fachjury, bestehend aus Sprachwissenschaftlern, zum „Unwort des Jahres 2010“ gewählt worden. Im Übrigen erklärte der Sprecher der Jury damals die Wahl auf folgende, auch auf unsere aktuelle Situation ganz zutreffende Weise: „Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe. Behauptungen dieser Art sind 2010 zu oft aufgestellt worden, sie drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken.“

Alternativlos sei der Einstieg deswegen, weil sonst, so Zipfel am 15. Dezember wortwörtlich „[…]hier die Lichter ein für alle Mal ausgehen!“. Das diese Worte natürlich die Alarmglocken in den Köpfen der Anwesenden läuten ließen, ist nur zu verständlich, zumal vom Alleinherrscher im Club mit deutlicher Sprach- und Wortwahl kommuniziert. Was Rainer Zipfel unter „Licht aus!“ nun genau verstand, blieb er allerdings schuldig. Meinte er einen klassischen wirtschaftlichen Zusammenbruch, gleichbedeutend etwa mit Insolvenz der GmbH, oder aber einen kompletten Knock-Out des Gesamtvereins? Oder aber meinte er lediglich weitere Jahre in der Regionalliga, die unserem maximal viertklassig organisierten und inzwischen sowohl lokal als auch regional in breiten Schichten belächelten Verein nicht würdig wären?

Was sollte explizit dazu führen, was machte ihn so sicher? An diesem Punkt kommen wir zwangsläufig auf die offensichtlich unterschiedliche Einschätzung des Vor-Einstieg-Zustandes, der jüngeren Vergangenheit und der tatsächlichen Möglichkeiten eines gut aufgestellten und organisierten Fussballclubs dieser Größe, Bedeutung und Tradition in unserer Heimatstadt zurück. Dieses Thema bildete nicht zufällig auch eines der Kernpunkte der angestrebten Argumentation unsererseits zur MV. Es blieb jedenfalls in unseren Augen ein mehr als fader Beigeschmack, als Rainer Zipfel am 15.12. zum zweiten Mal das Rednerpult verließ.

Denn – und hiermit sind wir an einem Kernpunkt unserer Argumentation angelangt – der Weg des geringsten Widerstandes (z.B. Geldspritze von außen ohne größere akquisitorische Anstrengungen) ist in diesem Fall nicht der Beste für unseren geliebten Fussballclub. Viel sinnvoller und vor allem NACHHALTIGER wäre zum jetzigen Zeitpunkt eine Besinnung auf das noch junge Leitbild des FC Carl Zeiss. Dieses besagt unter anderem: „Der FCC […] lernst aus den Erfahrungen der Vergangenheit und nutzt für seine sportliche und wirtschaftliche Tätigkeit die wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen der Region.“!

Wo in den neuen Bundesländern, wenn nicht in Jena, kann es einem gut organisierten und ohne in Gesichter-Politik verstrickten Fussballclub gelingen, mit den Mitteln der Region die 2. Bundesliga anzupeilen!?

Um alle Argumente für einen selbstbestimmten Fussballclub auch wirklich zielgerichtet nutzen zu können, muss in den nächsten Monaten ein fundierter „Plan B“ entstehen, der die eben aufgeführten Punkte als Kern beinhaltet. Dieser Aufgabe stellen wir uns gern, laden alle interessierten Zeisser dazu ein bzw. sind selbstverständlich bereit, mit ausnahmslos allen Beteiligten die Möglichkeiten einer Rückgewinnung der Selbstbestimmung zu besprechen. Auch darauf werden wir in Zukunft hier im BD zu sprechen kommen.

Die Ausführungen von Zipfel und Förster zogen sich über 2 Stunden hin, im Saal herrschte eine soweit ruhige Atmosphäre, durchtränkt von der Angst auf weitere Jahre in vermeintlicher Bedeutungslosigkeit und hoffnungsvoller Erwartung angesichts der bald anstehenden Abstimmung. Während Zipfel und Förster sprachen, überwog eine faire Atmosphäre, keine Zwischenrufe oder dergleichen. Auch diejenigen Mitglieder, welche etliche Argumente anders bewerteten, verhielten sich fair und demokratisch, hörten sich alle Aussagen und skizzierten Szenarien ruhig und konzentriert an.

Im Anschluss durften sich zuvor bei der Versammlungsleitung registrierte Mitglieder zu Wort melden und ihre Sicht der Dinge schildern. Da es sich beim Tagesordnungspunkt ganz klar nicht um den Standard-TOP „Aussprache“ handelte, welcher grundsätzlich nur eine beschränkte Redezeit für jedes Mitglied einräumt, wurde eine möglicherweise angedachte Redezeitgrenze bei der Versammlungsleitung im Vorfeld erfragt. Entschieden und gelassen wurde eine Redezeitbeschränkung für Wortmeldungen innerhalb des „Investor“-TOP ausgeschlossen. Dies nahm ein FCC-Mitglied zum Anlass, eine ausgiebig vorbereitete Argumentation auch bedenkenlos und uneingeschränkt vortragen zu wollen. Leider kam letztlich alles anders, denn es folgten sehr unruhige Minuten. Viele Anwesende, auch mit Pro-Bekenntnis zum Anteilsverkauf, sprachen im Nachgang von Peinlichkeit und Respektlosigkeit auf Seiten einiger anwesender Mitglieder. Große Teile der MV schämten sich fremd. Denn Einige brachten es tatsächlich fertig, nach einer zweistündigen und obendrein löchrig und teilweise unehrlichen Pro-Argumentation, nur wenige Momente zuzuhören, ehe sie unqualifizierte, peinliche und infame Zwischenrufe und persönliche Beleidigungen durch den Saal riefen. Dies führte zu einer sehr unproduktiven und lauten Atmosphäre, an Konzentration und zielstrebige Argumentation war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken. Obendrein verließ Rainer Zipfel hastig und aufgeregt seinen Platz auf dem Plenum und schritt durch die Reihen, ließ somit die Nervosität im Saal noch weiter ansteigen. Als wäre es nicht schon genug, griff Rainer Zipfel ebenfalls zum Mittel der Zwischenrufe in einen laufenden Vortrag. Leider bekannte sich nun weder die Versammlungsleitung noch die komplett anwesende Vereinsführung zur Absprache, dass es in diesem Tagesordnungspunkt keine Redezeitbeschränkung zu geben hat. Stattdessen wurde genau eine Solche kurzfristig ins Feld geführt, um damit zum Leidwesen Vieler, ein schnelles Zusammenstreichen der Themenpunkte der Contra-Argumentation nötig zu machen. Diesbezüglich muss nichts beschönigt werden, die demokratische Auseinandersetzung mit dem Verkaufs-Angebot war vollkommen ad-absurdum geführt und von oberster Stelle folgte keine Deeskalation, eher das Gegenteil war der Fall. Aus geplanten 25-30 Minuten Vortragszeit (im Vergleich zur Pro-Argumentation noch immer mehr als deutlich weniger) wurden letztlich vielleicht 5 Minuten, welche auch kaum durchgängig genutzt werden konnten.

Bei aller gewünschter thematischer Diskussion und Streitkultur, hier versagte die Mitgliederversammlung des FC Carl Zeiss Jena vollends. Im Grunde war die MV als Vereinsorgan dieser Bezeichnung in diesen Minuten nicht würdig, was nicht nur einen sehr zweifelhaften Beigeschmack für das später verkündete Abstimmungsergebnis mit sich brachte. Blickt man auf die beispiellose Tragweite der Entscheidung am 15.12., so ist die extreme Einschränkung der Gegenargumentation (durchgängig sachlich und ruhig vorgetragen) einem Verein dieser Größe vollkommen unwürdig. Ohne Umschweife: hier wurde demokratischer Prozess unmöglich gemacht.

Apropos Abstimmung: die geheime Wahl erfolgte an Wahlurnen, was im Vorfeld zugegebenermaßen hardware-technisch gut organisiert wurde. Die Auszählung der Stimmen erfolgte letztlich durch die Geschäftsstellen-Mitarbeiterin Frau Müller und zwei junge Männer, welche ansonsten als FCC-Ordner auftraten. Selbstverständlich attestieren wir eine ordnungsgemäße Auszählung der Stimmzettel auf, neben und unter den Tischen. Der Wahlausschuss musste da nicht einmal genauer hinsehen, hat er auch nicht.

Schon sind wir beim Thema der Bewertung des Angebotes, über welches dann letztlich abgestimmt  wurde.

Die Summen, um die es sich dreht, sind für einen Otto-Normalverbraucher natürlich exorbitant und wenig greifbar, aber in der Liga des Monsieur Duchatelet und dem heutigen Fussballgeschäft allgemein natürlich eher weniger schwergewichtig. Der Einstieg in die Spielbetriebs-GmbH ist als „kleines nettes Projekt“ mit eher überschaubarem Risiko auf der Seite des millionenschweren Investors zu bewerten. Im Grunde hat R.D. auch bislang selbst nachgewiesen, dass sich sein ehrliches und aufrichtiges Interesse am FCC deutlich in Grenzen hält. So ist es weniger überraschend, dass einige Fans im Berliner „Stadion Lichterfelde“ ein amüsantes Spruchband mit der Aufschrift „[…]Wo ist Roland?“ aufhängten. Beweise für das mangelnde Interesse liegen auf der Hand: weder im Rahmen der Gespräche zum sich anbahnenden Vertrag mit unserer Vereinsführung, noch zur entscheidenden Mitgliederversammlung oder zur späteren Vertragsunterschrift und auch nicht zu den ersten Spielen der Rückrunde – kein Roland in Jena am Start. Der Citroen blieb in Belgien.

Natürlich muss man den Einstieg auch illusionslos betrachten: es geht um Kohle und Gewinne, Kontakte und Synergien für das Netzwerk. Der Jenaer Fussball an sich ist da ein brauchbares Glied, welches günstiger (man möge meinen: „billiger“) denn je zu bekommen war.

Bringt man nun die vereinseigenen Verlautbarungen ins Spiel, welche dem FCC ein frühzeitiges Ende (z.B. verstand man offensichtlich schockierender Weise auch 2-3 weitere Jahre in der Regionalliga) im Falle des Nicht-Einstieges prophezeiten, so war R.D. eine sehr gute Verhandlungsposition zu attestieren, nahm er sich doch sicher nicht nur selbst als Retter in höchster Not war. Was das für die Ausgestaltung der Verträge bedeutet hat, kann von den Mitgliedern des Vereins aktuell nicht mit gänzlicher Sicherheit diskutiert werden, da schlicht und einfach zu wenig darüber bekannt ist. Aber dazu später in dieser Rubrik mehr…

Roland Duchatelet setzt auf kleine bzw. im historischen Kontext geschrumpfte Vereine mit einer ausgesprochen guter Nachwuchsarbeit (siehe BD203). Es ist klar und bekannt, dass Chris Förster als Finanzwart eines seiner Unternehmen in Erfurt, den Fokus auf den FCC lenkte. Laut eigenen Aussagen war es also eher zufällig der FCC, der R.D. schmackhaft gemacht wurde. Auf die Frage, warum denn das Angebot nicht dem FC Rot-Weiß Erfurt unterbreitet wurde, sagte er selbst im OTZ-Interview: „So ist das halt mit Beziehungen. Erfurt wäre eine Option gewesen. Aber andererseits haben wir schon eine Firma in Erfurt. Da ist es nicht schlecht, etwas anderes in Jena aufzubauen.“. Erstmal unabhängig davon, dass der Club in diesem Zusammenhang mit einer Firma verglichen wird, spiegelt die Aussage ganz klar die fehlende Bindung wieder. Nun mag sicher behauptet werden, dass eine spezielle emotionale Bindung vom Investor zum Club nicht unbedingt nötig ist, was durchaus vertretbar ist. ABER: Eine solche enge Beziehung kommt doch dann zum Tragen, wenn es wichtig ist, nämlich wenn der Plan (hier: zügiger Aufstieg in Liga 3 als Zwischenstation) nicht sofort aufgeht und man einen steinigen Weg gemeinsam zu beschreiten hat. Dann ist der FCC die oft beschriebene heiße Kartoffel, die dann maximal noch zu belgischen Pommes verarbeitet wird…

Schaut man den eben zitierten Vergleich mit einer Firma genauer an, unterstreicht dies nochmal das rein egoistische Wirtschaftlichkeitsprinzip und widerspricht Aussagen von Duchatelet á la „Natürlich ist es wichtig, zu gewinnen, aber das ist nicht das einzige, was zählt. Fußball muss ein Ort der Begegnung sein. Mir ist wichtig, dass Familien gemeinsam zum Fußball gehen.“. Löbliche Floskel aus dem Fussballdiplomatie-Buch, nicht mehr.

Letztlich wird deutlich, dass wir „Mittel zum Zweck“ sind und auf Grund eigener Fehleinschätzung (zu hohe Maßstäbe, langjährige Fehlentscheidungen, verblendete Erwartungen bzw. Realitätsentfremdung) diesen Teufelsdeal eingegangen sind. Die Ultras von Standard Lüttich – sie haben im Grunde täglich mit R.D. zu tun – haben den Monopoly-Charakter der Machenschaften u.a. in eine passende Foto-Montage verbaut, welche nicht nur in Lüttich für Aufsehen sorgte…

EIN ANDERER FUSSBALL IST MÖGLICH…

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH!

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