Unbeugsam und unverkäuflich

„unbeugsam und unverkäuflich“ – Bratwurstdealer ‚205

Bratwurstdealer ’205, 12.04.2014, Heimspiel Auerbach:

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Anfang April und inzwischen ist die Saison 2013/2014 leider rein sportlich schon gelaufen, was im Normalfall Tristesse bedeuten könnte. Sicher ist das auch bei 95% der Clubs der Fall, aber ganz sicher nicht bei uns in Jena. Wir müssen die bittere Erkenntnis festhalten, dass der FC Carl Zeiss Jena im schleichenden Prozess wohl einen der größten Tiefpunkte seiner jüngeren Geschichte erreicht hat. Daran ändern auch die beiden zuletzt eingefahrenen Siege gegen schwache Gegner nichts. Es ist kaum in Worte zu fassen, was wir in den letzten Tagen und Wochen erleben mussten, gerade in Sachen Personalpolitik in der Oberaue. Dass es solche Probleme in Jena immer wieder gab und gibt, sich derartige Szenarien im Grunde seit der Wende wie ein roter Faden durch die Vereinsarbeit ziehen, ist keine Neuigkeit – eher blau-gelb-weißes business as usual. Um noch kurz bei den Geschehnissen der vergangenen Tage zu bleiben: wer kann es denn ernsthaft einem Trainer Zimmermann verübeln, der spätestens im Sommer hier weg sein will? Da erbst du eine nicht chancenlose Equipe zu einem noch lange nicht zu spätem Saison-Zeitpunkt, dir wird vom diktatorisch herrschenden Präsidenten sogar eine Menge Kohle in Aussicht gestellt, um gemeinsam in eine rosige Zukunft zu steuern. Klar, am besten den Aufstieg noch in dieser Saison realisieren, der 2-Jahres-Plan in der Regionalliga war noch aktuell. Alles scheint greifbar und vielversprechend, doch nach nur 2 schlechten Spielen gerät das Kartenhaus ordentlich in Schieflage. Derjenige, der dich an die Saale holte und vorgab, das Ruder ganz fest in der Hand zu halten, schmiss plötzlich hin. Sicher kann man nur mutmaßen, ob R. Zipfel genau so reagiert hätte, wenn die Spiele in Plauen und daheim gegen Nordhausen gewonnen worden wären, aber den Platz ganz nah an der Sonne hätte er bestimmt nicht so schnell freiwillig hergegeben. Zudem hinterließ dieser, neben personalpolitischer Unsicherheiten, ganz nebenbei auch eine Gemengelage, welche von einem zur Hälfte verkauften Club/Arbeitgeber, einem uneinigen Vereinsumfeld und von einer undurchschaubaren und auf Seilschaften beruhenden Entscheidungskultur geprägt ist. Jetzt ist die Kacke nämlich so richtig am Dampfen und hinter dem sich zurückziehenden Nebel offenbart sich, dass die Entscheidung im Dezember noch ganz andere negative Synergien für unseren Club bedeuten könnte. Alles in allem ist die Entscheidung vom Trainer also vollkommen nachvollziehbar, hier lieber die Koffer wieder zu packen und regelmäßig widerkehrenden Chaos-Tagen den Rücken zu kehren…

Die Mehrheit der Mitglieder des FCC ließ sich leider dazu hinreißen, zu glauben, dass ab der Rückrunde 13/14 plötzlich Kontinuität in die Vereinspolitik Einzug hält. Als hätten die belgischen Millionen die meisten Hirne in Präsidium, Aufsichtsrat und bei den Eminenzen in schattigeren Bereichen ebenso gewaschen, wie die unzähliger treuer und leidgeprüfter Mitglieder – nur eben bezüglich des Miteinanders im operativen Geschäft. Das ganze Gegenteil ist der Fall – die alten Muster ziehen noch immer. Versprechungen und Erwartungen hier – Ungeduld, Übermut, Misstrauen und fehlendes Vertrauen in die Infrastruktur und sich selbst da.

Bestes Beispiel brandaktuell: die Öffentlichkeit nimmt Anteil daran, wie der Aufsichtsrat offensichtlich eine Präsidentschaftskandidaten-Absage nach der anderen kassiert und am Ende eine Personalie vorstellt, welche so einfach zu bekommen war wie zerknautschte Adventskalender an Heiligabend. Lutz Lindemann, welchem wir in Jena eigentlich so schnell nicht wieder auf einem wichtigen Posten sehen wollten, darf jetzt das Ruder führen und die auf Lügen basierenden Erwartungen enttäuschen. Und wer glaubt, dass wir unter diesen Umständen dann zwangsläufig nächste Saison angreifen und den Aufstieg realisieren, dem ist fast nicht mehr zu helfen.

Aber vielleicht taugt die Zeit zum individuellen Hinterfragen in den Reihen der Mitglieder, ehe man sich der Abstumpfung hingibt und sich beim leider realistischen Misserfolg, getrieben von Enttäuschung, gänzlich vom Fussballclub entfernt. Helfen kann da nur, sich gar nicht zu viele Hoffnungen zu machen, sondern rationale und mit geschärftem Blick dahin zu schauen, wo es auch ohne Identitätsverlust mit erfolgreichem Fussball klappt und Vorbildwirkungen entstehen können. Wir helfen dabei, wenn wir in einer der kommenden Ausgaben beispielsweise nach Berlin-Köpenick, ins Lößnitz-Tal, nach Halle und/oder Chemnitz schauen.

Nun soll es uns aber vordergründig um die objektive Bewertung des gesamten finanziellen und wirtschaftlichen Konzeptes gehen, welches fortan die Geschicke unseren Clubs bestimmen soll.

Fangen wir wie immer chronologisch an. 2 Millionen EUR ist die bis dato am meisten kommunizierte Summe im gesamten Kontext. Diesen Betrag ließ sich Roland Duchatelet die Einverleibung von 49% der Stimmanteile der FC Carl Zeiss Jena Spielbetriebs-GmbH kosten. Soweit so gut. Diese Summe ist frei ausgehandelt worden und floss unserem Club zu. Unabhängig davon, dass ein Investoreneinstieg unbedingt verhindert gehört, egal zu welchem Einstiegspreis, ist diese Summe natürlich ein lachhafter Betrag. Sicher, der FCC hatte außer großen Erfolgen und noch größeren Ahnentafeln nichts vorzuweisen und wenig Argumente für einen höheren „Preis“, aber leichter hätte man es einem Fremden nicht machen können, sich hier breit zu machen. Orientiert an den Plänen, ein europäisches Netzwerk nachwuchsbewusster Fussballclubs aufzubauen, ist der FCC geradezu ein Glücksfall für die belgische Geldbörse. Auf Grund der finanziellen Situation der Spielbetriebs-GmbH sind einige hunderttausend Euro (eine exakte Benennung dieser Posten ist die Geschäftsstelle bis heute schuldig geblieben) direkt dazu verwendet worden, bestehende Verbindlichkeiten zu löschen und sich damit wohl komplett zu entschulden. Klingt erstmal vernünftig, entscheidend ist jedoch die Konsequenz, welche nur oberflächlich von Nachhaltigkeit geprägt ist.

Wir alle sollten wissen, dass wir auch mit 2 Millionen Euro keine Aufstiege an die Saale zaubern. Es gibt unzählige Beispiele, welche belegen, dass vergleichbare Summen so gut wie nix bewegen. Dass schon große Teile in Schuldentilgung geflossen sind, verstärkt diese sicherer Annahme. Projekte, welche mit wesentlich mehr Geld auf vergleichbarem sportlichem Niveau begannen, belegen ebenfalls, dass der Gegenwert der 49% Stimmrechte kaum Wirkung entfalten wird. Dazu kommt, dass der FCC mit seiner gesamten Infrastruktur und den damit einhergehenden Bilanzpositionen ohnehin wesentlich mehr fixe Kosten zu tragen hat, als die meisten Konkurrenten. Einen Wettbewerbsvorteil bringt der bloße Anteilsverkauf also nicht mit sich. Ganz im Gegenteil wird gerade aktuell deutlich, dass falsche Hoffnungen geschürt werden und fast schon zu viel (letztlich hemmender) Druck aufgebaut wird, wenn nicht die ganze Wahrheit veröffentlicht ist (z.B. Verwendung der Kaufsumme zur Schuldentilgung). Dies wird in den deutlich übertriebenen Erwartungen im Vereinsumfeld zu Rückrundenbeginn ebenso deutlich wie in der Angst vor dem Wespennest unter dem Präsidentenstuhl. Dass nun mit Lutz Lindemann eine sich eigentlich grundsätzlich selbst verneinende Konstellation (hauptamtlicher Sportlicher Leiter der GmbH, gleichzeitig ehrenamtlicher Präsident des e.V. und somit auch „Chef“ seiner eigenen GmbH-Geschäftsführer, also seiner Arbeitgeber) aufgebaut wurde, zeigt klar, dass der Aufsichtsrat recht verzweifelt gesucht hat.

Natürlich war nicht nur Rainer Zipfel klar, dass die 2 Millionen Euro mehr oder weniger nur ein Türöffner für Roland Duchatelet sind, um dem FCC damit weitere Geldsummen in Aussicht zu stellen. Für eine tatsächliche Konkurrenzfähigkeit im Aufstiegsrennen zur 2. Bundesliga muss logischerweise deutlich mehr Geld in die Hand genommen werden oder vorhanden sein, möchte man nicht auf ein glückliches Selbstläufer-Szenario, wie unter Trainer Weber im letzten Jahrzehnt erlebt, setzen. Das Vertragswerk umfasst deshalb nämlich die Möglichkeit, in Jahresschritten jeweils eine Million Euro zu erhalten, welche dann als Darlehen zur Verfügung gestellt werden. Ein Vorteil aus Darlehens-Nutzung ist im Vergleich zu einem klassischen Sponsoring zwar nicht steuerpflichtig, steht jedoch in keinem Verhältnis zum eingegangenen Risiko.

Das Ergebnis einer realistischen Betrachtung, welche selbstverständlich auch von Wirtschafts- bzw. Sportmanagementexperten ohne weiteres bestätigt wird, ist, dass der „angefixte“ FC Carl Zeiss nahezu verpflichtet ist, das verlockend klingende Darlehensangebot des eigenen Anteilhabers anzunehmen und damit neue Schulden aufzunehmen. Denn klar ist ohne Zweifel, dass sich der Investor nicht damit zufrieden gibt, einen jahrelangen Kampf in der 3. Bundesliga oder Regionalliga zu veranstalten. Darlehensgeber ist im Übrigen ebenfalls die Staprix (inkludiert ist noch ein anderes Duchatelet-Unternehmen namens „Elex“, welches als Garantiegeber fungiert). Nun klingt „Darlehen zu 2% Zinsen auf 10 Jahre“ nicht schlecht, aber nicht nur umgangssprachlich brauch man einem „nackschen“ Verein nicht in die Taschen zu gucken. Hinsichtlich vielerlei Punkte ist der Vertrag eine Einbahnstraße und Todesurteil der Spielbetriebs-GmbH…

Das Normalste der Welt ist also, dass die Spielbetriebs-GmbH das Darlehen früher oder später abruft. Sollten wir in der kommenden Saison eine sportlich ähnlich wechselhafte Hinrunde durchmachen, kann nicht ausgeschlossen werden, dass bereits im Winter investiert wird, um 14/15 den Aufstieg nicht nochmals zu verpassen und damit dem Plan einen doch herben Dämpfer zu verpassen. Was auf den ersten Blick als perfekte Möglichkeit erscheint, schnell an frisches Geld für Investitionen in Fussballerbeine zu kommen, bekommt beim Blick in die Details der Vereinbarung einen ungenießbaren Beigeschmack. Gemeint sind die Verteilung der Geschäftsanteile innerhalb der GmbH und der unterschriebene Gesellschaftervertrag. Wir haben in dieser Rubrik bereits darauf hingewiesen, dass erst kurz vor Ende der MV im Dezember durch ein findiges Mitglied am Mikrophon nachgefragt wurde, ob die belgische Einlage eine fast komplette Verlagerung der Geschäftsanteile auf die Seite der Staprix/Duchatelet bedeutet. Ein deutlich ins Rudern geratener Präsident Zipfel tat sich daraufhin zwar schwer und bemühte diverse unübersichtliche Folien, musste letztlich jedoch bestätigen und somit einen gern verschleierten Umstand doch noch preisgeben. Zum Glück für ihn und seine Idee, waren zu diesem Zeitpunkt die Empfänger im Publikum schon wieder eingefahren, kein Wunder ob der langatmigen Werbeveranstaltung.

Es lohnt hier ein Blick in die Details. Das sogenannte „GmbH-Gesetz“ (GmbHG) gibt die verbindlichen Gesetzmäßigkeiten (Errichtung, Organe, Stellung im Rechtsverkehr u.a.) für die Rechtsform unserer ausgegliederten Profi-Abteilung vor. Für die Bewertung der nun eingetretenen Situation ist in erster Linie der §29 wichtig, welcher die „Ergebnisverwendung“ („Ergebnis“ = Jahresüberschuß/Gewinn) näher beschreibt. Grundsätzlich haben die Gesellschafter natürlich Anspruch auf den Jahresüberschuß, insofern die Gesellschaft einen solchen erwirtschaftet. In Absatz 3 dieses Paragraphen ist folgendes geregelt: „Die Verteilung erfolgt nach Verhältnis der Geschäftsanteile. Im Gesellschaftervertrag kann ein anderer Maßstab der Verteilung festgesetzt werden.“.

Das bedeutet, dass grundsätzlich die Geschäftsanteile, in unserem Fall im Verhältnis 95% Staprix zu 5% e.V., die Gewinnverteilung vorgeben. Es sei denn, der Gesellschaftervertrag zwischen Beiden trifft eine andere, x-beliebig zu vereinbarende, Regelung. Dies ist ausdrücklich nicht passiert, der Vertrag enthält keinerlei andere Bestimmungen. Das ist ein entscheidender Punkt, da hier durchaus hätte ausgehandelt und niedergeschrieben werden können, dass mögliche Gewinne gleichmäßiger verteilt werden.

GmbH-Gesetz_29

Warum ist das so wichtig? Bekanntlich liegt in der Natur des Darlehens, dass die geliehene Summe plus Zinsen an den Darlehensgeber zurückgezahlt werden muss. Früher oder später. Die Frage, die dann bzw. schon jetzt im Raum steht (je nach Empfänglichkeit für die Wahrheit), ist, wo das liebe Geld herkommen soll, um den Verpflichtungen nachzukommen und die Verträge zu erfüllen? Es ist kein Geheimnis, dass ein Großteil der deutschen Fussballvereine kaum in der Lage ist, neben der Sicherstellung von Wettbewerbsfähigkeit durch immer wieder nötig werdende neue Investitionen, großartige Gewinne (z.B. aus Fernsehgeldern oder dergleichen) zu erwirtschaften, die ohne weiteres auf die Seite gelegt werden können. Dies ist erst recht nicht mit den ambitionierten Plänen des FCC zu vereinbaren, nämlich sich möglichst zeitnah in der zweithöchsten deutschen Spielklasse wiederzufinden und auch zu etablieren. Die Gegner schlafen nachweislich auch nicht, der Druck ist riesengroß, jeder Cent muss zwangsläufig wieder in den Kader gesteckt werden, um im Erfolgsfall auch wirklich längerfristig eine Rolle spielen zu können. Auf großartige Transfererlöse zu hoffen ist nicht angebracht, zumal ein Netzwerkverein mit übermächtigen Netzwerkpartnern kaum auf großartige Gewinne in diesem Bereich hoffen kann. Weiterhin können Fussballvereine heute theoretisch zwar ordentliche Summen im Bereich der Zuschauereinnahmen und des Merchandisings generieren. Auf beiden Baustellen sind uns jedoch deutliche Grenzen gesetzt, da auch in der 2. Bundesliga inklusive neuem und modernem Stadion kein Zuschauerschnitt jenseits der 15.000 realistisch ist. Auch die steigenden Betriebskosten, Mieten und anderen Fixkosten in einem neuen Stadion dürfen in dieser Betrachtung nicht vernachlässigt werden.

Im Bereich des Merchandising/Fanartikel fährt der Club seit Jahren die Variante, die Rechte an der Vermarktung von Logo, Vereinsnamen und Symbolik an das Unternehmen Intersport-Meier zu verscherbeln. Im Gegenzug gibt es wohl einen schmalen 5-stelligen Betrag, der zwar eine sichere Haushalts-Einnahme verspricht, die eigenen Möglichkeiten dahingehend (auch finanziell) jedoch vollkommen verkennt und die Außendarstellung des FCC zudem vollkommen unterbewertet verkauft. Dass letztendlich auch nur bedingt ansehnliche Fanartikel angeboten werden, ist ein weiterer negativer Nebeneffekt.

Also sind auch in diesem Bereich keine großartigen Einnahmen zu erwarten, zumindest nicht solche, welche ansatzweise an die Tilgung und Zinszahlung des Darlehens glauben lassen. Dazu kommt, dass Niemand garantieren kann, dass überhaupt der erforderliche sportliche Erfolg (hier: Konkurrenzfähigkeit in der 2. Bundesliga) zu erreichen ist, welcher uns überhaupt erstmal ansatzweise in die Nähe der Möglichkeit bringt, am Ende des Jahres mehr Geld verdient als ausgegeben zu haben. Summasummarum ist Fakt, dass die Konstellation innerhalb der GmbH keine wirtschaftliche Grundlage für nachhaltigen sportlichen Erfolg begründet. Für diese Erkenntnis muss man keine Hochschule besucht haben…

Nüchtern betrachtet ist also vollkommen egal, ob der sogenannte Plan aufgeht, wir also Erfolg haben oder nicht: es gibt keine reale Chance, den sehr wahrscheinlichen Darlehensverpflichtungen nachzukommen. An dieser Stelle darauf zu vertrauen, dass Duchatelet irgendwann von seinen Ansprüchen zurücktritt und das Fremdkapital des Darlehens somit in Eigenkapital (frei von Verbindlichkeiten/Schulden) umgewandelt  wird, ist mehr als blauäugig und naiv – vor allen Dingen angesichts des fehlenden Bezuges zu unserem Club. Dass er dann trotzdem noch im Boot sitzt und das Abhängigkeitsverhältnis weiter aufrechterhalten wird, steht ebenso außer Frage. Deutlich formuliert, ist der Einstieg des Investors der Beginn einer über Jahre andauernden massiven Verschuldung unseres nun leider mittellosen Vereins, für welche wir allerspätestens in 10 Jahren die Rechnung vorgelegt bekommen. Sollten überhaupt Gewinne erwirtschaftet werden können, gibt es nur einen minimalen Zugriff darauf. Stattdessen wird daraus ein Umstand entstehen, welcher zur Mitgliederversammlung im Dezember bestritten wurde: eine vollkommene Abhängigkeit vom Goodwill des Herrn Duchatelet. Er kann dann alle seine Entscheidungen (auch wenn sie noch so unpopulär sind; ein Blick nach Lüttich und Charlton genügt) ohne weiteres durchsetzen, hängt unser geliebter FC Carl Zeiss nicht erst dann vollkommen an seinem Tropf.

Hier lohnt leider auch ein Querverweis auf die Ignorierung des FCC-Leitbildes, worauf übrigens auch auf der Mitgliederversammlung detailliert hingewiesen werden sollte. Exemplarisch sind in diesem Kontext die Punkte 1, 2 und 6 herauszustreichen:

1.) Der FC Carl Zeiss Jena definiert sich als erfolgsorientierter Fußballverein. Er strebt stetig nach sportlicher Höchstleistung und wirtschaftlicher Stabilität.

2.) Der FCC bewahrt seine Traditionen und geht neue Wege. Er lernt aus den Erfahrungen der Vergangenheit und nutzt für seine sportliche und wirtschaftliche Tätigkeit die wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen der Region.

[…]

6.) Der FCC sucht zu jeder Zeit den konstruktiven Dialog sowie die kritische Selbstreflexion im Sinne seines Leitbildes.

Die missachteten Kernpunkte „wirtschaftliche Stabilität“ (1), „…lernt aus den Erfahrungen der Vergangenheit“ (2) und „…sucht…die kritische Selbstreflexion im Sinne seines Leitbildes“ (6) sprechen eine deutliche Sprache. Ein Schuldenaufbau, zudem ohne realistische Tilgungs-Chance, hat nicht ansatzweise etwas mit wirtschaftlicher Stabilität zu tun. Viel mehr muss dazu auch nicht geschrieben werden, zu eindeutig ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Dem Punkt 2 wurde ebenso wenig Aufmerksamkeit geschenkt, schließlich scheinen aus den blauen Augen, welche der FCC nicht nur aus dem Kölmel-Deal davon trug, wenig Erfahrungswerte hervorgegangen zu sein. Alles in allem ist also von einer kritischen Selbstreflexion im Sinne des Leitbildes kein Fünkchen zu spüren gewesen. Nicht in der Anbahnung des Vertrages, nicht in dessen Ausgestaltung und ebenso wenig in der alles entscheidenden Mitgliederversammlung. Auch wenn uns – die sehr fleißig am Leitbild mitgearbeitet haben – diese Aussagen schwer fallen, aber das Leitbild ist aktuell ein zahnloser Tiger, nichts mehr Wert. Man hätte es beinahe erahnen können, machte doch Präsident Zipfel zu keiner Zeit einen Hehl daraus, dass ihm das Leitbild ein Dorn im Auge ist.

Das Schreckens-Szenario „…morgen gehen die Lichter aus!“, welches zur MV als mehr als zweifelhaftes Todschlag-Argument instrumentalisiert wurde, ist also in 8-10 Jahren tatsächlich Realität. Aber nicht etwa so, wie befürchtet, sondern so, wie scheinbar gewünscht. Nicht nur Rainer Zipfel wies in seinen Ausführungen mehrmals darauf hin, dass der Club im Grunde klinisch tot sei, das Überleben einzig und allein durch den Anteilsverkauf realisierbar wäre. Nun ist der Verkauf vonstatten gegangen und das Ende der Spielbetriebs-GmbH noch viel greifbarer als jemals zuvor. Im Sinne der Erhaltung des FC Carl Zeiss kann dann unter Umständen nur die Insolvenz der GmbH helfen, damit verbunden ein Neuanfang mit e.V.-Spielrecht in Liga 4 oder 5. Anscheinend scheint nur Wenige zu interessieren, dass die Zukunft des FCC damit alles andere als nachhaltig gestaltet ist. Die nächste Generation wird also wieder von vorn anfangen müssen, falls wir nicht zeitnah die Kurve kriegen. Es heißt also, die Konsequenzen dieses Verkaufes schnell gemeinschaftlich zu realisieren und als FCC-Mitglieder, gemeinsam mit den Verantwortlichen, eine Wende in der Vereinspolitik zu organisieren.

Zum Abschluss lohnt ein kurzer Exkurs auf die Einstellung der Duchatelet-Kritiker bzgl. des sportlichen Erfolges. Nicht selten wird u.a. uns vorgeworfen, die sportliche Bedeutungslosigkeit zu bevorzugen. Diese Kritik weisen wir deutlich von uns, schließlich sehnen auch wir uns nach größeren Gegnern und einem erfolgreicheren Fussball im Ernst-Abbe-Sportfeld. Die Ablehnung eines fremdgesteuerten und in einem derartigen Abhängigkeitsverhältnis stehenden Fussballvereins bedeutet nicht automatisch die Abkehr von sportlichen Ambitionen und fan-typischen Hoffnungen.

Dennoch müssen vor allem die Rahmenbedingungen und Umstände dafür stimmen, muss sichergestellt sein, dass das Risiko überschaubar ist, Tugenden wie Geduld, Authentizität und Selbstverantwortung die Zukunft des Vereins bestimmen, den wir alle lieben. Wir sind – und darauf werden wir in dieser Reihe noch ausführlich eingehen – davon überzeugt, dass der FC Carl Zeiss sehr wohl Schritt für Schritt wieder in der dritten oder gar zweiten Bundesliga Fuß fassen kann. Sowohl die Infrastruktur (u.a. mit dem Nachwuchsleistungszentrum), als auch die wirtschaftliche Kraft unserer Stadt, sowie viele weitere kleinere und größere Faktoren, erlauben es, dieses Ziel entschlossen und mit realistischen Erwartungen anzupacken. Genau wie eigenverantwortliche vereinspolitische Entscheidungen den Weg in die Viertklassigkeit geebnet haben, sind diese auch dazu nützlich (insofern richtige Konzepte dahinterstehen), den Weg zurück zu gehen.

UNBEUGSAM und UNVERKÄUFLICH!

FÜR IMMER FUSSBALLCLUB CARL ZEISS!

[…]”