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“unbeugsam und unverkäuflich” – Bratwurstdealer ’209

Bratwurstdealer ’209, 02.08.2014, Heimspiel BFC Dynamo:

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Was ist wohl die Frage, welche wir in den letzten Wochen am häufigsten gestellt bekommen haben? In unzähligen angeregten Gesprächen hier und da, im Small-Talk mit bekannten Zeiss-Gesichtern an der Supermarkt-Kasse, im Hartsuff an irgendeiner Bar, frühmorgens auf der Jo-Street beim Dönermann, im Pub-Getümmel des Riverside-Newport, per Mail, SMS usw., immer wieder hieß es: „singt ihr jetzt wieder?“.

Eines vornweg, gleich an dieser Stelle: wir verstehen diese Frage sehr gut und können auch nur zu gut nachvollziehen, warum dieser Gegenstand für Viele so elementar wichtig ist. Denn sie ist, in abgewandelter Form, auch für uns von großer Bedeutung. Das Singen, der Tifo, das Geschrei, die Verausgabung. Die Sehnsucht danach ist allgegenwärtig, wir würden lügen, wenn wir behaupten, uns nicht danach zu sehnen. Der Gedanke treibt uns auch an, lässt uns kreativ werden, ließ uns auch nach manchem Tiefschlag in den letzten Monaten immer wieder aufstehen und weitermachen, auch wenn das Licht am Ende des Tunnels ab und zu recht schummrig wirkte. Natürlich stellten wir uns die oben genannte Frage auch, doch stehen davor noch viele andere Fragen, welche für uns noch fundamentaler, noch entscheidender sind. Die Beantwortung der Tifo-Frage ist da im Grunde nur die Konsequenz aus vorgelagerten Entscheidungen. Und in eben diesen ausschlaggebenden Punkten liegt noch einiges an intensiver Arbeit in den nächsten Wochen vor uns, denn noch hat sich in Puncto Faktenlage noch nichts bewegt.

Deswegen steht für uns zum aktuellen Zeitpunkt fest, die Konsequenz des Stimmungsverzichtes vorerst aufrecht zu erhalten und zum Saisonstart noch nicht wieder Tifo im Stadion zu organisieren. Die anfängliche Enttäuschung vieler Zeiss-Fans darauf, wollen wir jedoch so nicht unbesprochen stehen lassen, denn sie darf sich gern und begründet in Hoffnung wandeln. Wenngleich wir auch ohne Umschweife klarstellen wollen, dass ein Zeitraum X ohne aktiven Support im Stadion ein banaler Umstand im Vergleich zu einem entwurzelten und todgeweihten Fussballverein ist. Der Stimmungsverzicht hat nicht wenige Augen geöffnet und erleichtert, den Grundsatzkritiken Gehör zu verschaffen und somit einen fruchtbaren Boden für das zu bereiten, was wir gern als „zweiten Schritt“ betiteln.

Im Klartext: die Entscheidung, vorerst noch nicht wieder zu den Fahnen und Stimmbändern zu greifen, fußt also auf einer grundsätzlich unveränderten Situation. Unverändert im Sinne der festgeschriebenen Ergebnisse der 2013er FCC-Mitgliederversammlung. Auf den zweiten Blick allerdings, vor allem durch Absichtserklärungen innerhalb der (neuen) Vereinsführung, guter gemeinsamer Gespräche und spürbar motivierender Ideen aus unserer Mitte, ergeben sich seit Beginn der Sommerpause deutlich mehr Spielräume für Gedankengänge und eventuelle positive Entwicklungen.

Wir hatten angekündigt, die Sommerpause ganz intensiv zu nutzen, um auf das letzte halbe Jahr zurück zu blicken, die Ereignisse und Entwicklungen zu interpretieren und einen Status Quo möglichst scharf festzuhalten. Doch auch aktuelle Tendenzen, hier vor allen Dingen die bereits angesprochenen, in der spielfreien Zeit geführten, Gespräche mit Vereinsgremien und die fruchtbaren Absprachen im heute bereits als Erfolgsmodell bezeichneten SÜDKURVE-Rat flossen mit großem Gewicht in unsere gruppeninternen Analysen ein. Von ebenso großer Bedeutung war die Bewertung von Ideen und Ansätzen, wie denn in vereinspolitischen Fragen fortan agiert bzw. wie gemeinsam mit der Vereinsführung ein erstrebenswerter Weg eingeschlagen werden kann. Mit „erstrebenswert“ meinen wir in erster Linie die Charakterisierung einer selbstbestimmten und risikoarmen Zukunft unseres Fussballclubs, welche auf einem breiten Konsens ruht und auch der Kurve und den Ultras ermöglicht, wieder mit anderen Gefühlen zur Sache zu gehen. Dieses Gefühl, welches jeder Fussballfan beim Gedanken an seinen Club in sich aufsteigen spürt, ist die Basis für alles, für ausnahmslos jede Aktivität und Hingabe für Blaugelbweiß. Deswegen ist die Frage „Stimmung: ja oder nein?“ aktuell zwar Herzensangelegenheit, aber doch letztlich nur positiv zu beantworten, wenn andere Rahmenbedingungen vorherrschen, als sie jetzt noch der Fall sind.

Wir wollen ganz klar unterstreichen und werden diesbezüglich auch nicht müde zu betonen, dass an allererster Stelle unserer Agenda steht, aktiv zu arbeiten und aus eigener Kraft die für Außenstehende noch nebulös erscheinenden Ideen und Ansätze zu entwickeln.

Eines steht zum heutigen Saisonauftakt fest und sollte so auch bei euch ankommen: wir arbeiten bereits seit einigen Tagen an einem Konzept, welches nach erster Beurteilung verschiedenster Köpfe extremes Potential und tatsächlich das Zeug besitzt, verschiedene Ansichten zu vereinen und manch vereinspolitische Fehler der Vergangenheit auszubügeln.

Dieses Konzept soll – und das ist der ganz entscheidende Punkt – nicht von uns allein getragen werden, sondern diverse Vereinsgremien, Fanclubs und „Gesichter“ als Unterzeichner hinter sich wissen und schließlich und endlich die breite Zustimmung der Mitgliederschaft des eingetragenen Verein FC Carl Zeiss Jena finden.

Ihr könnt sicher nachvollziehen, dass wir das Thema noch wie ein rohes Ei behandeln und zum jetzigen Moment jedes Risiko scheuen, das zarte Pflänzchen durch unqualifizierten shit-storm (leider muss dieser Begriff in der noch immer auf Internet-Kommunikation basierenden Anhängerschaft verwendet werden) zu gefährden. In diesen Tagen legen wir den Grundstein und beziehen zu diesem frühen Zeitpunkt bereits verschiedenste Interessengruppen und Gremien in den Prozess ein. Ein Prozess, welcher bestenfalls in fortwährender Dauer eine immer breitere Basis an Unterstützern und Multiplikatoren findet und dann am Ende auch beste Erfolgsaussichten für ein gemeinsames Ziel erarbeitet hat. Ein Ziel, welches, das muss auch heute kein Geheimnis sein, einen unabhängigen, zukunftssicheren und selbstbewussten Fussballverein fördert.

Wir appellieren daher an Euer Verständnis und Vertrauen. Wir werden Euch, sobald der Plan mit den entscheidenden Parteien detailliert gefasst ist, alle Gedankengänge vorstellen und auch klar machen, welche kleinen und größeren Schritte in der Erarbeitungsphase auf uns (und euch alle) in den kommenden Wochen und Monaten zukommen. Banal ausgedrückt: im Moment ist singen und supporten nicht alles, zu wichtig ist die mit dem Verzicht verbundene Aussage und die bedingungslose Notwendigkeit für ein konsequentes Auftreten im Sinne unserer begründeten Ansichten.

Wir wünschen uns, dass Ihr eure Meinung dazu mit uns besprecht und offene Fragen zu jeder Zeit auch loswerdet. Beteiligt Euch (weiterhin oder zukünftig) nicht an vollkommen unnützen Internet-Diskussionen, sondern arbeitet in der Realität fleißig mit. Werdet Euch der Bedeutung des Momentes/Zeitraumes bewusst und stellt die wirklich wichtigen Fragen in den Vordergrund. Die Horda Azzuro und glücklicherweise viele andere aufrechte, ehrliche und treue Fanclubs und Gruppen schweigen nicht, um in diesem Zustand auszuharren und das Prinzip Zufall über das Schicksal von Verein und Südkurve entscheiden zu lassen. Nein, ganz im Gegenteil. Wir machen unser Versprechen wahr und gehen nun einen (gemeinsamen) Schritt weiter und scheuen kein Gespräch, kein Argument, keine Diskussion und keine leidenschaftliche Aufopferung. Fragt nicht nur nach der Stimmung im Stadion, sondern in erster Linie nach der Zukunft Eures FC Carl Zeiss Jena…und…helft mit, die Antwort mitzugestalten.

Wir versprechen, sehr bald konkreter zu werden.

Vielen Dank für das Vertrauen und die Unterstützung.

Horda Azzuro Ultras, im Namen des SÜDKURVE-Rates!

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